ERSCHEINUNG DES HERRN
Erschienen ist den Männern aus dem Orient erst ein Stern, dann Jesus selbst (vgl. Matthäus 2,1–12). Ob echter Stern oder nicht, antike Münzen zeigen jedenfalls einen Stern über dem Kopf eines Herrschers. So führt der Stern die Männer zu einem Herrscher, dem neugeborenen König der Juden. Matthäus, der als Einziger diese Erzählung überliefert, will damit sagen: Von seiner Geburt an haben nicht nur Juden den Weg zu Jesus gefunden, sondern ebenso Heiden, Menschen, die von weit her kamen.
Im Erscheinen öffnet sich etwas über das optisch Sichtbare hinaus: Gesehen haben die Sterndeuter das Kind mit seiner Mutter. Durch den Stern aber ist ihnen buchstäblich ein Licht aufgegangen, das sie verwandelt: Von diesem Kind geht mehr und anderes aus als von anderen. Die Erscheinung Christi vor den Heiden ist deshalb Offenbarung. Das Niederlegen der Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe ist ihre Glaubensantwort auf die alles verwandelnde Erkenntnis. Erscheinungen dieser Art lassen sich nicht festhalten. Sie können sich aber wiederholen – wie damals, so auch heute – im Leben von Christen oder auch in der Feier der Liturgie. Noch heute lassen sie Christus aufleuchten. Deshalb heisst es in der Präfation der Messe am Fest Erscheinung des Herrn: „Denn heute enthüllst du das Geheimnis unseres Heiles, heute offenbarst du das Licht der Völker, deinen Sohn Jesus Christus. Er ist als sterblicher Mensch auf Erden erschienen und hat uns neu geschaffen im Glanz seines göttlichen Lebens.“
GUNDA BRÜSKE, LITURGISCHES INSTITUT