Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Gedanken zum Osterfest

Der Tote lebt!

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Mitte April des Jahres 30 verröchelte auf dem Hinrichtungshügel vor der Stadt Jerusalem Jesus von Nazaret am Kreuz. Mit seiner Exekution meinten die religiösen und politischen Führer jener Zeit auch die umstürzlerischen Lehren umzubringen, die er verbreitet hatte. Sie glaubten, die schimpflichste aller Todesarten sei der schlagende Beweis dafür, dass sich der Verurteilte von Gott losgesagt habe, also gottlos sei. Aber nicht Jesus, sondern sie hatten die Rechnung ohne Gott gemacht. Sie, die sich Gottes so sicher waren und dessen, was ihm als Recht zu gelten hatte. Nicht sie, die zwar korrekt, aber vielfach unglaubwürdig lebten, bekamen vor Gott Recht, sondern jener, der sich leidenschaftlich für das Leben und die Würde der Kleinen, Unterdrückten und an den Rand Gedrängten eingesetzt hatte, der darum bemüht war, in Worten und Taten die Menschen Gottes heilende Nähe erfahren zu lassen, der sich über die lieblosen Ge- und Verbote hinwegsetzte, um die Menschen zu schützen. Gott behielt sich das letzte Wort in dieser Angelegenheit vor. Wieder einmal liess er einen Engel sagen: „Fürchtet euch nicht!“ und die unglaubliche Botschaft ausrichten: „Er ist auferstanden!“ Und zwar nicht in ein Jenseits, das mit unserer Welt nur am Rande vielleicht noch etwas zu tun hat. Nein, der Gekreuzigte aufersteht in diese unsere Welt hinein; er durchdringt mit seiner Auferstehung die Schöpfung und die Jahrhunderte, so dass die Botschaft der Frauen vom leeren Grab, die Botschaft vom Leben schlechthin, uns heute noch erreicht. Der Tod ist nicht abgeschafft; es gilt, ihn zu erleiden – auch heute noch –, aber er ist überwunden; der Schatten des Kreuzes bleibt – auch heute noch –, aber er ist unscharf geworden und durchlässig für das Leben, das dahinter liegt. Dieses von Auferstehung durchdrungene Leben lädt uns ein, selbst als Verwandelte zu leben. Das heisst gar nicht in erster Linie, dass wir den Tod nicht mehr fürchten, weil ihm seine Zerstörungsmacht genommen ist. Es heisst vielmehr, dass wir uns eine neue Haltung Gott und dem Leben gegenüber leisten können. In der Bescheidenheit, die erkennt, dass Gott nochmals ganz anders ist, als wir ihn uns denken – unberechenbar und überraschend –, auch wenn es um unser eigenes Leben geht. Mit der Gewissheit, dass in der dunkelsten Finsternis Gott unbemerkt am Wirken ist. Dort, wo alle Hoffnung auf Leben zu ersticken droht, wo wir so viel Tod erleben, dass wir fast nicht mehr an dieses Leben glauben mögen; dann, wenn ihm die Luft abgeschnürt wird, wenn Alltagsroutine, Stress und Belastungen es begraben, wenn es untergeht in Krankheit, Einsamkeit und Verzweiflung. Gott bietet uns seit damals die Möglichkeit zu glauben an. Zu glauben, dass es gerade auch die dunkelsten Zeiten unseres Lebens sein können, in denen das Leben in uns neu Kraft schöpft. Wir können der Lebenskraft vertrauen, die in uns wirkt.
Vor fast 2000 Jahren haben sich die politischen und religiösen Machthaber gründlich verrechnet. Der lebendige Nachweis dafür sind wir, die wir heute Ostern feiern. Sind wir uns eigentlich bewusst, was das für Folgen haben könnte?

ALEXANDRA DOSCH, THEOLOGISCHE
MITARBEITERIN IM GENERALVIKARIAT

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