Liebe Leserin, Lieber Leser
Schmieden Sie auch gerne Zukunftspläne? Malen Sie sich auch gerne gedanklich in allen Farben aus, was Sie in den nächsten Wochen, vielleicht auch Monaten und Jahren tun werden, was Sie erreichen möchten, wer Sie sein möchten? Ziele anzustreben, motiviert. Umso trostloser ist es, keine Visionen und keine Perspektiven zu haben, nichts, wofür es sich wirklich lohnt, morgens aufzustehen. Genau diese Erfahrung machen junge Menschen, wenn sie nach der Schule keine Lehrstelle finden und deshalb den Eindruck gewinnen: Eigentlich braucht es mich gar nicht, meine Fähigkeiten sind nicht gefragt, ich kann zu wenig. Hundert und mehr Bewerbungsabsagen zu verkraften und dennoch nicht den Mut zu verlieren, das ist viel verlangt, zumal von Teenagern. Wer von den diesjährigen Schulabgängern jetzt noch keine Lehrstelle und auch keine schulische Anschlusslösung hat, schläft wohl nicht mehr besonders gut und macht sich zu Recht Sorgen. Da kann von Glück reden, wer auf die tatkräftige Unterstützung von Eltern, Lehrpersonen oder Berufsberatenden zählen darf. Denn eine Berufswahl ist kein Pappenstil. Da werden vielleicht zum ersten Mal im Leben eines Menschen ernsthaft Weichen gestellt, von denen abhängen wird, welche Zukunftspläne dereinst geschmiedet werden können.
Nur zu jammern und die schlechten Zeiten zu beklagen, nützt wenig. Und es gibt Möglichkeiten, der Lehrstellenkrise entgegenzuwirken. Auch die Kirche ist hier in die Pflicht genommen, wie unsere Beiträge zeigen. Doch uns allen sollte das Problem des Lehrstellenmangels ein Anliegen sein. Nicht nur aus Mitleid, sondern weil das Wohl einer Gesellschaft nicht zuletzt auch von der jungen Generation abhängt.
JUDITH HARDEGGER