Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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SOS Narrenschiff

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Lasst uns googeln. Wie beliebt ist wohl die Redensart „Geld macht nicht glücklich“? 66‘800 Treffer listet die Suchmaschine auf. Das macht Eindruck. Bei so viel Popularität muss die Phrase fast zwangsläufig wahr sein, denn nicht nur im Internet kann man sich davon einlullen lassen. Auch von der Kanzel hört man sie gerne und vom Mittelständler aus seinem Ferienhaus. Genauso kann der Protestsänger ein Lied davon singen, kräftig Tantiemen scheffeln und sich sogar als Revoluzzer fühlen. Und selbst Jet-Set-Geschädigte erflehen unter Tränen unser aller Mitgefühl. Nur von den Praktikern des entbehrungsreichen Lebens hört man die mahnenden Worte nie. Sie gehört nicht zum Vokabular der Armen, die wohlfeile Redensart vom Geld, das nicht glücklich macht.
Geld ist nur für jene, die im Wohlstand leben, die unwichtigste Sache der Welt. Sie können sich das theoretische Sinnieren über Bescheidenheit leisten. „Geld macht nicht glücklich“ ist beruhigendes Opium für die einfachen Leute und Selbstbeweihräucherung für die komplexen Seelennöte der Reichen. Es ist so etwas wie das kapitalistische Manifest im Schafspelz, welches den Begierigen jede Lust auf Wohlstand frühzeitig auszureden versucht. Und dem Neider flüstert es ins Ohr: „Er mag ja steinreich sein, aber wenigstens ist er dabei todunglücklich.“ In der Praxis werden natürlich auch noch so bescheidene Glücksritter immer wieder schwach. Aber wer aus Versehen beim Lotto mitgemacht hat, der betet sicher sogleich reuevoll um einen makellosen Nuller. Und wer von unheimlichen Börsengewinnen geplagt wird, hofft inständig auf ein züchtigendes Steuergesetz.
Wer differenziert denkt, wird die Redensart relativieren: „Geld allein macht nicht glücklich.“ Das aber hat dann mit dem schnöden Mammon nichts mehr zu tun. Wer alles auf eine Karte setzt, lebt immer ungesund. Auch die Arbeit allein macht nicht glücklich. Die Ehe allein auch nicht. Nicht einmal das Glück allein. Und auch nicht ein Schweizer Sieg im alpinen Skirennsport ist allein selig machend. Eintrag ins Logbuch: Wer Geld hat und heuchelt, er schätze es nicht, der wird im Fegefeuer eine Ewigkeit lang „Geld macht nicht glücklich“ auf Kissenbezüge sticken müssen.

THOMAS BINOTTO

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Das „Narrenschiff“, 1494 von Sebastian Brant verfasst, ist eine spätmittelalterliche Satire, in der durch bewusste Übertreibung der Zeitgeist karikiert wird.