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Auch Fasnacht hat viele Facetten - und nicht nur lautstarke. FOTO: CHRISTOPH WIDER
MIT PÄPSTLICHER EMPFEHLUNG
Im Jahr 1284 hat Papst Martin IV. eine regelrechte Empfehlung zum Fasnacht-Feiern abgegeben. Das war im viel geschmähten Mittelalter, als die Fasnacht von der Kirche regelrecht gefördert wurde und dadurch ihren Höhepunkt erreichte. Die grundsätzliche Fasnachtskritik setzte erst mit der Reformation ein, mit Martin Luther selbst, der in einer Tischrede einmal gesagt hat: „Es war ein Narr gewesen, der hatte sich in der Fastnacht traurig gekleidet, übel gehabt und kläglich gestellt; hinwiederum, in der Marterwochen zog er schöne Kleider an und war fröhlich und guter Dinge. Als man ihn nun fragte, warum er solches täte, da antwortete er: In der Fastnacht geschehen viel Sünden, da soll man billig traurig sein; aber in der Marterwoche predigt man, wie Christus für die armen Sünder gestorben sei. Darum soll man fröhlich sein. Das ist eine feine Rede gewesen von einem Narren.“ Das in ihren Augen unselige Treiben war auch den Reformatoren Huldrych Zwingli und Johannes Calvin zuwider. In den Städten Genf und Zürich wurde die Fasnacht sogar verboten. Aber auch in der katholischen Kirche regte sich Widerstand gegen das Narrentreiben, weil man sich ums Seelenheil sorgte. Die Aufklärung hat dem „unvernünftigen“ Treiben dann – scheinbar – endgültig den Rest gegeben. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Fasnacht wieder belebt. Und wieder fanden sich prominente katholische Fürsprecher. Der Mainzer Bischof Paul Leopold Haffner bekannte Ende des 19. Jahrhunderts, er halte die Fasnacht „für eine höchst christliche und wahrhaft katholische Institution und würde fast eine Ketzerei darin sehen, wann man sie abschaffen sollte“.