Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Ein Raum der Stille

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Vor rund 30 Jahren wurden Kirchenzentren oft als nüchterne Mehrzweckgebäude errichtet. In Zürich-Höngg konnte das neu sanierte Pfarreizentrum „Heilig Geist“ mit einem Raum der Stille zusätzlich aufgewertet werden.

In den siebziger Jahren entstanden zahlreiche katholische Kirchenzentren in der Schweiz, die den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils zu verkörpern versuchten: betont säkular, aus heutiger Sicht erstaunlich nüchtern in der Ausgestaltung, mit einfachen Materialien und einem multifunktionalen Kirchenraum, der beinahe ohne Bilder und Symbole auskommt. Der Haupteingang im Erdgeschoss solcher Zentren führt die Besucher jeweils nicht direkt zur Kirche, sondern in die Saal- und Gruppenräume, die als Orte der Begegnung konzipiert wurden und in dieser Funktion auch heute noch Verwendung finden.
Genau so wurde auch das 1973 entstandene und im letzten Jahr umgebaute katholische Pfarreizentrum Heilig Geist in Zürich- Höngg konzipiert: Von aussen kaum als Kirche erkennbar, liegt das Gebäude mit dem unscheinbaren Turm in einer ruhigen Wohngegend. Auch hier lässt der Ausspruch „die Kirche, die zu den Menschen geht“ wieder an das II. Vatikanum denken, wie die Leiterin der Kirchgemeinde in Höngg, Isabella Skuljan, betont: „Absichtlich hat man auf sekundäre Materialien zurückgegriffen, um das Geld primär für die Dritte Welt bereitzustellen.“ Und der für den Umbau zuständige Architekt Beat Kämpfen aus Zürich ergänzt: „Ganz bewusst hat man auch versucht, keine eigentliche Kirche zu bauen.“

INNERE ORIENTIERUNG
Obwohl der neu entstandene Raum der Stille zum Höhepunkt des umgebauten und jetzt hell gestalteten Erdgeschosses wurde, war er zu Beginn der Planung laut Kämpfen gar nicht vorgesehen. Erst die Verlegung der Lüftungszentrale in einen dafür besser geeigneten Gebäudeteil liess überhaupt die Frage entstehen, was nun aus der freigewordenen Räumlichkeit gemacht werden könnte. Isabella Skuljan war von der Idee eines Raumes der Stille, die zuerst der Architekt einbrachte, auf Anhieb angetan, zumal sie bereits früher mit einer ähnlichen Einrichtung rundweg positive Erfahrungen gemacht hatte: „Gerade im Unterricht mit Jugendlichen kann man in einer solchen Umgebung ganz andere Wege gehen, indem man gemeinsam Fantasiereisen unternimmt, zusammen meditiert oder mit Sprachund Klangübungen arbeitet.“ Damit die heutige Form des Raumes, eine so genannt liegende Acht als Symbol der Unendlichkeit, jedoch überhaupt verwirklicht werden konnte, mussten intern Wände verschoben werden, was sich im Hinblick auf die Gebäudestatik als recht anspruchsvolles Unterfangen erwies. Für die Gestaltung des Raums der Stille in Höngg konnte der in Winterthur lebende Künstler Thomas Rutherfoord gewonnen werden. Ohne explizit christliche Symbole zu verwenden, brachte Rotherfoord auf Augenhöhe ein rundum führendes horizontales Band an. Darauf sind teilweise übermalte Seekarten zu sehen, darüber Blautöne (Himmel) und darunter ein Beige (Erde). Es gehe aber, so schreibt der Künstler, nicht um Geographie, sondern um eine Metapher für die in diesem Raum gesuchte innere Orientierung. Karten als Symbol für den Menschen, der sich auf den (Lebens-)Weg begibt, als Weg der (spirituellen) Wandlung.

SANDRO SCHAUB

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In einer hektischen Welt wird Stiile zum wertvollen Gut. FOTO: SANDRO SCHAUB