Nicht allein in die Pedale treten
Seit der Geburt ihrer Tochter weiss „tandem“- Beraterin Mirjam Erni aus eigener Erfahrung, was Mutterwerden und Muttersein alles beinhaltet. Das sei in ihren Beratungsgesprächen von Vorteil, meint die Pädagogin mit beraterischer Zusatzausbildung, die sich seit ihrem Studienabschluss beruflich mit den Themen Schwangerschaft, Geburt und Kleinkinder befasst. Ursprünglich war „tandem“ als Beratungsstelle für Frauen gedacht, die vor dem schwierigen Entscheid stehen, Schwangerschaftsabbruch ja oder nein. Doch darum geht es laut Erni in den wenigsten Beratungen: „Wir mussten feststellen, dass die meisten Frauen erst kurz vor oder kurz nach der Geburt zu uns kommen. Deshalb gilt unser Angebot mittlerweile nebst Schwangeren auch Frauen mit Kindern bis drei Jahre.“ Die Idee zum Projekt „tandem“ hatten Marianne Ruedin, Präsidentin des katholischen Frauenbundes Zürich, und dessen Co- Geschäftsstellenleiterin Albertina Kaufmann im Vorfeld der Abstimmung zur Fristenlösung vom Juni 2002. „Damals war überall davon die Rede, wie wichtig nebst einer gesetzlichen Regelung flankierende Massnahmen für Mütter und Kinder seien“, erinnern sich die beiden. „Doch wies so geht, im Abstimmungskampf machen alle grosse Worte, konkret passiert dann meist wenig. Wir vom Frauenbund haben das Projekt ,tandem‘ bereits in die Wege geleitet, bevor das Abstimmungsresultat feststand. Denn uns war klar, Hilfe brauchen Frauen in jedem Fall.“ Und die Nachfrage ist da, pro Monat kommen vier bis sechs neue Klientinnen zu „tandem“, Tendenz steigend. Nebst Beratungsgesprächen mit Mirjam Erni vermittelt „tandem“ Frauen, die Klientinnen über kürzere oder längere Zeit da unterstützen, wo es nötig ist. Diese Begleiterinnen helfen beispielsweise bei der Suche nach einer Wohnung, einem Babysitter oder einem Krippenplatz, bieten Hand beim Gang auf Ämter, beim Ausfüllen von Formularen oder sind einfach da zum Gespräch. Die Anliegen und Nöte sind vielfältig. Oft geht es um finanzielle Probleme, aber auch um Scheidung, Aufenthaltsbewilligung, Krankheit der Mutter oder eines Kindes oder schlicht um Überforderung. Acht Begleiterinnen sind zurZeit aktiv und es werden laufend neue gesucht. Weil ein längerfristiges Engagement erwünscht und die Aufgabe anspruchsvoll ist, gestaltet sich diese Suche nicht ganz einfach. „Begleiterinnen müssen zeitlich ziemlich flexibel sein“, sagt Mirjam Erni, „und ihre Motivation muss Hand und Fuss haben. Helfersyndrom oder das Füllen von persönlichen Lücken sind keine geeigneten Voraussetzungen für diese Tätigkeit.“ Was die Zukunft von „tandem“ betrifft, so äussern die beiden Initiantinnen die Sorge, dass die vierzig Stellenprozente von Beraterin Erni bald nicht mehr ausreichen werden. Ob das Projekt weitergeführt werden könne, hänge von der Finanzierung durch die römischkatholische Körperschaft ab. Alle drei Frauen sind zuversichtlich und zu Recht stolz auf ihr „tandem“, das jungen Familien in schwierigen Situationen rasch und unbürokratisch unter die Arme greifen kann.
JUDITH HARDEGGER