Liebe Leserin, Lieber Leser
Weihnachten feiern ohne Christbaum, ohne Geschenke, ohne Krippenspiel, ohne Mailänderli – alles denkbar. Doch Weihnachten ohne Musik?
Was Worte nicht sagen können, kommt in Klangwelten oft viel besser zum Ausdruck. Deshalb spielt Musik in allen Religionen eine wichtige Rolle. Nicht zufällig gehört zu den ältesten Texten in unserer Bibel ein Lied, das Mirjamlied.
An Weihnachten sprechen wir von der Menschwerdung Gottes. Aber wer fasst das verstandesmässig schon wirklich?
Dem Intellekt sind in religiösen Dingen enge Grenzen gesetzt. Grenzen, die Musik weiten kann. Bachs Choralbearbeitung
„Nun komm der Heiden Heiland“ beispielsweise trifft für mich das, was wir meinen, wenn wir von Advent sprechen, haargenau. Das sehnsüchtige Warten mit seinen Höhen und Tiefen, mit Licht und Dunkel.
Auch Worte können zu Tränen rühren, aber Musik tut es viel eher. Denn sie erreicht eine Tiefenschicht im Menschen,
die dem Verstand verborgen bleibt. Warum sonst reagieren schon kleinste Kinder auf Musik, wozu sonst gibt es Musiktherapien?
Um Musik geht es auch in diesem Heft. Um Weihnachtslieder, die wir Jahr für Jahr singen, deren Entstehungshintergrund aber kaum bekannt ist. Oder wissen Sie, welches das älteste Adventslied ist, wer „O Heiland, reiss die Himmel auf“ schrieb und unter welchen Umständen „Stille Nacht“ zum ersten Mal gesungen wurde?
Ob mit oder ohne Christbaum, ob bombastisch oder schlicht – ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ein Weihnachtsfest mit viel Musik, die das Herz bewegt und die Seele berührt.
JUDITH HARDEGGER