Kirche und Religion im Wandel
Von weitem ist der hohe Turm der reformierten Kirche in Zollikon zu sehen, der majestätisch über die Gegend Ausschau zu halten scheint. Der markante Kirchturm, der im Jahr 1796 gebaut wurde, ist ein prägendes Wahrzeichen von Zollikon. Vorbild für diesen Bau war der Kirchturm des Zürcher Fraumünsters. Dies und manch Wissenswertes mehr aus der Geschichte der Gemeinde Zollikon erfährt man in einer Ausstellung, die sich mit Kultgegenständen und religiösem Brauchtum in den letzten Jahrhunderten auseinandersetzt.
18 Bild- und Texttafeln zeigen anschaulich die interessante kirchliche Entwicklung der Zolliker Gemeinde auf und stellen die einzelnen Aspekte in einen grösseren kultur- und religionsgeschichtlichen Zusammenhang. Eindrücklich sind die verschiedenen Exponate aus diversen Museen und Archiven. So ist das historische Modell des Zolliker Kirchturms aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert eine Leihgabe aus dem Schweizerischen Landesmuseum in Zürich. Zu bestaunen sind auch eine Bibel aus dem Jahr 1638, die Zehn Gebote von Johannes Thoman und alte Teile von verzierten Kirchenbänken.
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Ein Schwerpunkt der Ausstellung sind die frühesten Spuren des religiösen Lebens in Zollikon, die sich auf Bodenfunden, Quellen und überlieferten Flurnamen abstützen. So erfährt man, dass der Ort Zollikon erstmals im Jahr 946 urkundlich erwähnt wurde oder dass um 1470 das Gebiet der Zürcher Herrschaft von einem regen Kirchenbauboom erfasst wurde, der bis zur Reformation andauerte. Erläutert wird, dass es am Ort der Zolliker Dorfkirche schon im 9. Jahrhundert eine Kapelle und später dann ein zweites Gotteshaus gegeben hat. Die Zolliker Kirche wurde erstmals im Jahr 1223 urkundlich erwähnt. Es wird aufgezeigt, dass das Zolliker Pfarrwesen in der vorreformatorischen Zeit eine Filiale des Zürcher Grossmünsters war und dass die Bevölkerung im Zollikerberg ab dem Jahr 1731 den Gottesdienst in der neu erbauten Kirche Zumikon besuchte.
Die Ausstellung berichtet auch über das katholische Zollikon. So lebten im Jahr 1850 nur gerade 22 Katholiken in Zollikon (bei einer Gesamtbevölkerung von 1350 Personen). In der heutigen Zeit hat sich das Verhältnis in der Gemeinde spürbar ausgeglichen, leben doch neben 45 Prozent Protestanten rund 27 Prozent Katholiken in Zollikon. Den Katholiken wurde ein eigener Raum gewidmet, in dem unter anderem eine Kirchenglocke aus dem Jahr 1934 und Bilder von den Kreuzzügen zu besichtigen sind. Auch die Diakonie und das Wirken der Schwestern werden im Speziellen thematisiert. Hier stehen die medizinische Arbeit und der Dienst an den Menschen im Vordergrund.
Im Obergeschoss des Museums hat Lisa Brun, die zusammen mit einer Arbeitsgruppe die Ausstellung konzipiert und gestaltet hat, eine Sonderausstellung zum Thema „Kultgegenstände und religiöses Brauchtum im Wandel“ realisiert. Im Mittelpunkt dieser eindrücklichen Sonderausstellung stehen die sieben Todsünden, die Letzte Ölung, die Bedrohung durch das Fegefeuer und Vorstellungen über das Jenseits.
MAGNUS LEIBUNDGUT