GLORIA
Als einst auf einem Feld bei Betlehem ein Engel erschien, packte die Hirten gewaltige Angst. Denn Furcht und Schrecken kann Menschen befallen, denen widerfährt, was sich normalen Massstäben entzieht. Vielleicht wandelt sich der Schrecken zum Staunen. Staunen erwacht, als der Engel ihnen sein „Fürchtet euch nicht!“ zuruft und die Geburt des Messias als gerade eben in ihrer Nachbarschaft geschehen ansagt. Wie zur Bestätigung dieser unglaublichen Neuigkeit tönt ein ganzes Heer von Engeln (Lukas 2,14): Herrlichkeit des Lichts, des Glanzes, der Ehre, also: Gloria Gott in der Höhe! Doch nicht nur in der Höhe, nein, auch auf Erden Schalom: Heil, Wohlergehen, Friede den Menschen, mit denen er es gut meint! Himmel und Erde berühren sich im Gloria der Engel.
Himmel und Erde berühren sich in der Geburt des Sohnes Gottes durch eine Tochter Israels – doch wer staunt darüber? Haben wir das Unglaubliche einsortiert in die üblichen Kategorien, die Engel mundtot gemacht, dafür aber in wirksame Werbeträger im Weihnachtsgeschäft verwandelt haben?
Erstaunlich bleibt damals wie heute, dass Gott Menschen mit seinem Frieden, mit seinem Licht und seiner Güte beschenkt. Wer darüber staunt, wird nicht damit anfangen, lange Vorträge zu halten. In kurzen Sätzen, vielleicht stammelnd, ekstatisch, wird er sein Erstaunen dem zurufen, dem er es verdankt: Wir loben dich, wir preisen dich, wir rühmen dich, Gott, und deinen menschgewordenen Sohn: du – der Heilige, du – der Herr, du – der Höchste.
GUNDA BRÜSKE, LITURGISCHES INSTITUT