Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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GLOSSE

SOS Narrenschiff

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Es gibt Menschen, die werden für sportliche Höchstleistungen zu Hochleistungs-Asketen. – Es gibt Frauen, die laufen sich die Füsse wund, um den Ansprüchen der Schuhmode zu genügen. – Es gibt Männer, die stehen Schlange, um in einem Männerklub aufgenommen zu werden. – Es gibt Eltern, die unterwerfen ihre Kinder knallhartem Drill.
Auch ausserhalb der Kirche herrschen offenbar Disziplin, Askese und Selbstkasteiung. Innerhalb der Kirche dagegen sind wir bescheiden geworden. Sonntagspflicht – aus dem Wortschatz gestrichen. Askese – etwas für Jenseitige im Kloster. Disziplin – unvereinbar mit unserer persönlichen Freiheit.
Wehe, eine Predigt versteigt sich dazu, von einem christlichen Arbeitgeber soziale Sonderleistungen zu verlangen. Oder von christlichen Konsumenten, für die Umwelt tiefer ins Portemonnaie zu greifen. Oder von christlichen Politikern, konkreten Einsatz für die Randständigen unserer Gesellschaft zu leisten. Dann heisst es vehement: Chris-tentum ja – aber nicht in der Wirtschaft, nicht in der Politik und erst recht nicht im Privatleben – am liebsten gar nirgends wo’s an die Substanz gehen könnte.
Woran liegt es, dass für Sport, Fitness und eine schlanke Linie alle nur erdenklichen Formen von Askese boomen? Dass für Mode und Exklusivität der Körper geschunden wird? Dass für Erfolg und Reichtum jede Demütigung ertragen wird? Offenbar daran, dass die Güter, die man sich erhofft, so attraktiv sind, dass sich dafür auch Höchst-einsätze lohnen.
Wenn ich ehrlich bin, gehöre ich natürlich auch zu jenen, denen es bei der Vorstellung graust, aus unserer Kirche könnte wieder so etwas wie ein spirituelles Fitnesscenter werden. Aber manchmal zweifle ich schon daran, ob ein Verein ohne jede Ansprüche und Risikobereitschaft, der seine Dienstleis-tungen aus purer Angst vor der Zurückweisung zum Nulltarif im Wühltisch anbietet, ob ein solcher Laden wirklich Erfolg haben kann.
Eintrag ins Logbuch: Wenn wir die Latte so tief legen, dass wir nicht einmal mehr darüber stolpern, müssen wir uns nicht wundern, wenn wir am Boden kleben bleiben.



THOMAS BINOTTO

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Das „Narrenschiff“, 1494 von Sebastian Brant verfasst, ist eine spätmittelalterliche Satire, in der durch bewusste Übertreibung der Zeitgeist karikiert wird.
Das „Narrenschiff“, 1494 von Sebastian Brant verfasst, ist eine spätmittelalterliche Satire, in der durch bewusste Übertreibung der Zeitgeist karikiert wird.