Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Ein Draht zu Jugendlichen

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In der Mittelschulseelsorge war die Kirche schon lange engagiert. Für Lehrlinge gibt es im Kanton Zürich erst seit 15 Jahren eine kirchliche Anlauf- und Beratungsstelle: kabel feiert Geburtstag.

„Früher gab es ein Lehrlingsfoyer, das die Dominikaner geführt haben“, erzählt Urs Solèr von der Kirchlichen Anlauf- und Beratungsstelle für Lehrlingsfragen (kabel).  „An den Berufsschulen haben Priester Lebenskunde erteilt.“ Doch das sei irgendwann abgeschafft worden, und dann gab es für Lehrlinge von kirchlicher Seite her lange nichts. Bis man sich bewusst wurde, dass es ja viel mehr Lehrlinge als Mittelschülerinnen und -schüler gibt und die Kirche auch hier wieder präsent sein sollte. Da die Stundentafeln der Berufsschulen keinen kirchlichen Religionsunterricht zuliessen, startete die Zentralkommission 1991 mit Rolf Bezjak das Projekt „Lehrlingsseelsorge – Treffpunkt für Lehrlinge und Lehrtöchter“ in Zürich Stadelhofen. Bald merkte Bezjak, dass vor allem ein Bedürfnis nach Unterstützung bei Problemen in der Lehre besteht. Von Anfang an war er überzeugt, dass diese kirchliche Unterstützung ökumenisch aufgebaut werden sollte – „und stiess bei den Reformierten auf offene Ohren“, wie Monika Stadelmann, die erste reformierte Mitarbeiterin, ausführt. Das Projekt nannte sich zwei Jahre lang „ökumenische Lehrlingsarbeit“ – „aber dieser Name sagte den Jugendlichen nichts, so dass wir dann auf kabel – Abkürzung für kirchliche Anlauf- und Beratungsstelle für Lehrlingsfragen – kamen: Ein Kabel verbindet verschiedene Stellen miteinander – wie wir. Wir vernetzen alle Informationen und Fachstellen, verbinden Lehrlinge und Lehrmeister, Eltern und Jugendliche – und manchmal Wunsch und Realität …“ Inzwischen hat kabel fünf Mitarbeitende an vier Standorten. Neben Zürich Stadelhofen auch beim Hauptbahnhof, in Uster und in Winterthur. „Gerne würden wir noch mehr kabel-Standorte aufbauen“, meint Urs Solèr. „Je näher eine Stelle liegt, umso eher nehmen Jugendliche das Angebot wahr.“
Das Bedürfnis nach Beratung ist klar vorhanden. Vermehrt kämen auch Eltern, die froh sind, bei akuten Ablösungsproblemen ihrer Jugendlichen – die sich oft auch in der Lehre abspielen – Unterstützung zu erhalten. Auffallend sei, dass Jugendliche mit schlechtem schulischem Rucksack immer mehr „durch die Netze fallen“, beobachtet Monika Stadelmann. „Überhaupt ist die Situation für Jugendliche mit Defiziten – kulturell, schulisch oder familiär – sehr schwierig.“ Hier sei eine kirchliche Anlaufstelle, die nicht unter Zeit- oder Erfolgsdruck arbeiten muss, besonders wichtig. So betreute Urs Solèr eine Familie, wo die Mutter und ein Sohn unter einem starken Kriegstrauma leiden. Ihm wurde bald klar, dass die Tochter, die erstaunlicherweise nicht traumatisiert war, die Schlüsselfigur für das Wohlergehen der Familie war.  Mit einem ausserordentlichen, zeitaufwändigen Einsatz unterstützte er das Mädchen bei der Suche nach einer Lehrstelle. Als sie diese gefunden hatte, ging es tatsächlich der ganzen Familie deutlich besser.
Gerne würde sich kabel für zukunftsversprechende Projekte einsetzen, wie die Begleitung von erfahrenen Berufsleuten, die als Senioren Lehrlinge unterstützen, oder eine professionelle Begleitung für Betriebe, welche Lehrstellen für Jugendliche mit Defiziten anbieten. „Leider fehlen da die Ressourcen“, betonen Stadelmann und Solèr. An Ideen, Phantasie und einem grossen Engagement für die Jugendlichen fehlt es aber bei kabel ganz offensichtlich nicht.


BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

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Das kabel-Team (v. l.): Rémy Schleiniger, Ornella Ferro, Urs Solèr, Monika Stadelmann, Aaron Steinmann.
Das kabel-Team (v. l.): Rémy Schleiniger, Ornella Ferro, Urs Solèr, Monika Stadelmann, Aaron Steinmann.