Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2006 forum Nr. 22, 2006 Liebe will ich, nicht Opfer
Menschen der Bibel: zum Beispiel Hosea

Liebe will ich, nicht Opfer

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Es war um das Jahr 750 v. Chr., als Gott begann, durch Hosea zu reden. Eine eigentliche Berufungsgeschichte wie bei anderen Propheten gibt es aber nicht und über seine Herkunft erfahren wir nur, dass er der Sohn eines gewissen Beeri war. Vieles deutet darauf hin, dass Hosea vor allem in Samaria, der Hauptstadt des damaligen Nordreichs Israel, gewirkt haben dürfte.
Nach der Überlieferung soll Gott Hosea aufgefordert haben, eine sogenannte Kultdirne zur Frau zu nehmen. Wahrscheinlich war damit eine Frau gemeint, die ihre Jungfräulichkeit in einem Heiligtum der Gottheit Baal aufgeopfert hatte, um sich dadurch Segen und Fruchtbarkeit für ihre künftige Ehe zu erkaufen. Was auch immer sie im Einzelnen getan haben mochte, wichtig war, dass sie sich von Jahwe, dem Gott Israels, abgewandt hatte. Mit Gomer fand Hosea eine Frau, die diesen Anforderungen entsprach. Drei Kinder gebar sie ihm und alle drei erhielten nicht gerade schmeichelhafte Namen, die Gott für sie bestimmt hatte: Jesreel, der Name einer Blutstätte, „Kein Erbarmen“ und „Nicht mein Volk“.
Es ist müssig zu fragen, ob Hosea wirklich von Gott in diese unselige Ehe gerufen wurde oder ob es nicht einfach Hoseas eigene Erfahrung mit einer problematischen Ehe gewesen war, die ihm die Augen geöffnet hatte für die dramatischen Entwicklungen seiner Zeit. Tatsache ist, dass die Ehe von Hosea und Gomer zum Symbol der zerrütteten Beziehung wurde, die sich nach und nach zwischen Jahwe und seinem Volk Israel vollzog. Immer mehr Menschen wandten sich damals von Jahwe ab und suchten ihr Glück in den kanaanäischen Baalskulten. Die Priester nutzten das Volk für ihre eigenen Interessen aus und die Könige buhlten um die Gunst der fremden Machthaber Ägyptens und Assyriens. Dies war auch der Hintergrund, auf dem Hosea sein prophetisches Wirken begann. Vor allem das Verhalten der Priester und die gängigen Kultformen wurden zum Ziel seiner Kritik. „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer“, fordert er im Namen Gottes.
Und die Liebe steht denn auch ungeachtet der zahlreichen Drohreden im Zentrum der Botschaft Hoseas. Jemanden lieben heisst eben auch, jemanden leiden mögen, und dieses Leiden Gottes an der enttäuschten Liebe zu seinem Volk kommt durch seinen Propheten eindrücklich zum Ausdruck. Hoseas Gott ist ein verletzter, eifersüchtiger, trauriger und auch wütender Gott, was jeder von uns nachfühlen kann, der einmal enttäuschte Liebe erlebt hat. Doch letztlich lässt sich Gott von diesen Gefühlen nicht mitreissen: „Mein Mitleid lodert auf. Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken … Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch.“ Der Untreue seines Volkes setzt Gott seine eigene Treue entgegen. Und so sagt er zu Hosea: „Geh noch einmal hin und liebe die Frau, die einen Liebhaber hat und Ehebruch treibt.“ In der verheissenen, neuen Ehe mit Israel wird Gott Erbarmen haben mit „Kein Erbarmen“ und zu „Nicht mein Volk“ wird er sagen: „Du bist mein Volk.“ Und dieser wird sagen: „Du bist mein Gott.“

BEAT ALTENBACH SJ,
HOCHSCHULSEELSORGER, AKI

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