Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Die Friedhofsgärtnerin

Auf Hoffnung setzen

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Einige der Gräber auf dem Rümlanger Friedhof sind schon ganz kahl und leer, andere noch mit üppiger Blumenpracht bedeckt. „Im Herbst räumen wir alle Gräber ab“, erklärt die Friedhofsgärtnerin Eva Meier. „Es tut schon weh, die zum Teil noch blühenden Pflanzen auszureissen – doch es hat auch etwas Schönes: Es wird Raum geschaffen für Neues.“ Die Blumen und Pflanzen zeigen der Rümlanger Friedhofsgärtnerin, dass zum Leben auch der Tod, zum Abschiednehmen ein neuer Anfang, zur Leere die Hoffnung gehören. „Als Erstes pflanzen wir die Zwiebeln für die Frühlingsblumen: Da setzen wir ganz klar auf Hoffnung. Wenn sie dann wachsen und blühen, ist es wunderschön.“ Dies möchte sie auch den Hinterbliebenen vermitteln, wenn sie auf die Gräber kommen: Das Leben geht weiter, Neues kann wachsen.
Allerdings fällt ihr auf, dass immer weniger Menschen auch nach der Beerdigung noch auf die Gräber kommen. Noch seltener werde von den aufgebahrten Toten Abschied genommen – „ausser bei Italienern. Da ist ein Kommen und Gehen, man tauscht Erinnerungen an den Toten aus, tröstet sich – das empfinde ich immer als wohltuend“, gesteht sie. Denn auch die Beerdigungsfeiern würden in immer kleinerem Rahmen möglichst schnell über die Bühne gebracht: „Man möchte das so schnell wie möglich hinter sich bringen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man sich dem Tod nicht stellt, sich nicht die Zeit nimmt, vielleicht zu wenig Trauerarbeit leistet?“ Was daran sicher positiv sei: „Die Menschen gehen weiter, sie verharren nicht in der Trauer.“ Das Gleichgewicht zu finden zwischen Erinnern  und Loslassen, sei gar nicht einfach, beobachtet sie. „Ausserdem denke ich eigentlich öfter an meine verstorbene Mutter in alltäglichen Situationen – man muss
dazu nicht unbedingt auf den Friedhof
gehen.“
Eva Meier ist Gemeindegärtnerin, kümmert sich um Rabatten und Grünflächen auf dem ganzen Gemeindegebiet. Sechzig Prozent ihrer Arbeit haben jedoch mit dem Friedhof zu tun. Dabei geht es nicht nur um die Pflanzen: Sie bahrt die Toten auf und bei jeder Beerdigung ist sie oder ein Mitarbeiter mit dabei. Dabei ist ihr ganz wichtig, ihre Arbeit mit Ehrerbietung gegenüber den Toten zu tun. „Es braucht Respekt und Achtung vor diesen Menschen. Sie sind nicht niemand, nur weil sie jetzt tot sind“, ist sie überzeugt. Sie richtet, mit grosser Sorgfalt alles her und geht auf die Angehörigen ein. „Ich senke zum Beispiel den Sarg nicht an der Trauerfeier ins Grab. Da hat man das Gefühl, der Tote gehe ganz weit weg. Er soll noch in der Nähe sein, so dass alle sich verabschieden können.“

HEMMUNGEN ÜBERWINDEN
Seit 15 Jahren arbeitet Eva Meier auf dem Friedhof. Auch sie musste sich langsam an diese besondere Arbeit gewöhnen. „Tote zu berühren, davor hatte ich zu Beginn schon Hemmungen“, gesteht sie. „Doch dann baten mich Angehörige, doch noch Blumen in den Sarg zu legen oder einen vergessenen Ring vom Finger zu ziehen …“ Sie wollte ihnen gerne diesen Dienst tun und stellte fest, dass es gar nicht schlimm ist.
Während wir durch den Friedhof gehen, grüsst sie eine Familie, die ein kleines Grab pflegt. „Sie haben kürzlich ein sechsjähriges Kind verloren“, weiss sie. Solche Momente seien schon sehr traurig und hart. „Sie möchten sich nun selber um das Grab kümmern, das ist sicher eine gute Form der Trauer-arbeit.“ Das jüngere Geschwister des verstorbenen Kindes winkt, Eva Meier grüsst es mit Namen. Ganz offensichtlich kennt sie die Menschen hier und begleitet sie warmherzig. Sie hat selber zwei erwachsene Kinder und zwei kleine Enkelkinder, hat den Tod ihrer Mutter und des Kindes ihres Bruders miterlebt und weiss um Nöte und Hoffnungen, um Abschied und Neuanfang. „Eine grosse Hilfe ist mir schon der Glaube und das Getragen-sein durch eine christliche Gemeinde“, erklärt sie. „Ich gebe die Toten nicht einfach in die Erde, sondern übergebe sie Gott, in ein übergreifend Grosses, Umfassendes …“

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

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Eva Meier: „Grabbepflanzungen abräumen heisst Platz schaffen für Neues.“
Eva Meier: „Grabbepflanzungen abräumen heisst Platz schaffen für Neues.“ FOTO: BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER