Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2006 forum Nr. 21, 2006 Liebe Leserin, Lieber Leser
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Liebe Leserin, Lieber Leser

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Die Mensch-Tier-Beziehung ist vielschichtig: Wir lassen Tiere in der Zirkusmanege auftreten, wo sie Kleider tragend unserer Belustigung dienen; wir sperren sie in Zoogehege, um uns am Sonntagnachmittag die Zeit zu vertreiben, und binden ihnen zu Hause Schleifchen ins Fell. Wir produzieren sie in Massenhaltung, um unsere kulinarischen Gelüste zu befriedigen, und halten sie in Labors, um unsere Schmerzmittel an ihnen zu testen. Das Verhältnis von Mensch und Tier pendelt zwischen anonymer Warenproduktion auf der einen und Vermenschlichung auf der anderen Seite.
Die Bibel äussert sich verschiedentlich zur Stellung von Mensch und Tier. Leistet der Satz „Macht euch die Erde untertan“ oberflächlich gelesen einem menschenzentrierten Weltbild und der Instrumentalisierung der Tiere Vorschub, spricht die Aussage „Gott sah, dass es gut war, und segnete alles im Wasser, auf der Erde und in der Luft“ einer Mitgeschöpflichkeit das Wort.
Der Welttiertag vom 4. Oktober, der Gedenktag des Franz von Assisi, fordert zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Tieren auf.
Wenn Tiere uns immer näher rücken, je mehr wir aus der Forschung von ihnen wissen, wenn feststeht, dass sie nicht nur Schmerz und Leid empfinden, sondern auch Gefühle und Bewusstsein haben, sind dann Massentierhaltung und Tierversuche verantwortbar? Wenn zwischen Heimtieren und ihren Menschen echte Beziehungen möglich sind, tun wir ihnen dann Gutes, wenn wir sie vermenschlichen, anstatt sie in ihrem Wesen zu akzeptieren?
Die Frage, wie es ist, ein Tier zu sein, mag auf absehbare Zeit nur hypothetisch zu beantworten sein. Fest steht indes längst, dass es Wesen mit Würde sind, die moralische Ansprüche an uns stellen. Sie möchten ihre Fähigkeiten entwickeln können und wünschen sich ein Leben mit möglichst wenig Leiden und vielen Freuden. Genauso wie wir.


PIA STADLER


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Pia Stadler