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Menschen der Bibel: zum Beispiel Baal

Jahwe erhält Konkurrenz

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Diesmal müsste der Artikel eigentlich mit „Gestalten der Bibel“ überschrieben sein, denn ein Mensch ist der kanaanäische Fruchtbarkeitsgott Baal nicht. Da er aber, wie alle Göttergestalten der damaligen Zeit – der biblische Gott Jahwe eingeschlossen – viele personale Züge trägt, passt er doch in diese Serie.
Das hebräische Wort Ba’al bedeutet Herr, Besitzer, König oder Gott. Eine ganze Reihe westsemitischer Gottheiten trägt den Namen Baal. Oft handelt es sich dabei um den obersten Gott des örtlichen Pantheons und zumeist geht es um einen Berg-, Wetter- und Fruchtbarkeitsgott. Fast vollständig erhaltene Keilschriftarchive der im 12. Jahrhundert v. Chr. zerstörten Stadt Ugarit im heutigen Nordsyrien dokumentieren anhand von Gebeten, Götter- und Opferlisten, liturgischen Texten und Epen die religiösen Auffassungen dieses Volkes.
Ursprünglich war Baal ein Wettergott, Herrscher über Wind und Wolken, Blitz, Donner und Regen. Weil er als solcher Dürrezeiten beenden konnte, galt er auch als Spender der Fruchtbarkeit. In bäuerlichen Kulturen waren solche Götterattribute häufig, hingen doch Gedeih und Verderb der Menschen direkt vom Ackerertrag und damit vom Wetter ab. Kein Wunder also, dass solche Motive auch im Jahwe-Glauben zu finden sind. So heisst es in Psalm 65: „Du stillst das Brausen der Meere; du sorgst für das Land und tränkst es, ebnest die Furchen, machst sie weich durch Regen, segnest ihre Gewächse.“
Trotz vieler Ähnlichkeiten wird im Ersten Testament Baal als der eigentliche Gegenpol zum Gott der Hebräer dargestellt. Jahwe ist kein animistischer Gott. Er hat zwar die Macht über die Natur, ist aber nicht mit den Naturgewalten gleichzusetzen. So wird in der Auseinandersetzung des Jahweglaubens mit Kanaans Kulten „Baal“ zum Synonym für „Götze“. Schon Mose wird am Berg Sinai vor fremdem Götzendienst gewarnt (Ex 34,12–17). Auch beim „Goldenen Kalb“, das die Israeliten schmiedeten und verehrten, könnte es sich um eine Baalsstatue gehandelt haben, galt doch bei den Kanaanitern, in deren Land Mose sein Volk führen sollte, der Stier als Tier des Baal. Und doch waren der Baalskult wie auch derjenige seiner Gemahlin, der Vegetationsgöttin Aschera (griechisch Astarte), in Israel weit verbreitet. Die exotische Götterwelt der kanaanäischen Städte machte eben Eindruck auf das Nomadenvolk, genauso wie deren Reichtum, der sich an Luxusprodukten wie Wagen mit Intarsien, Elfenbeinschnitzwerk oder Goldgefässen zeigte. Während der Wüstengott Jahwe in seiner transportablen Bundeslade sass, thronten die Götter Kanaans in richtigen Tempeln aus Stein. Und ein Götterpaar, das die Freuden und Nöte des ehelichen Zusammenlebens kannte, war den Menschen offenbar sympathischer und näher als ein einsamer Alleingott.
Hinzu kamen bündnispolitische Überlegungen, die dazu führen konnten, dass sich der israelitische König mit einem Nachbarvolk einschliesslich des von ihm verehrten Gottes zu arrangieren hatte. So zum Beispiel König Ahas, der im achten vorchristlichen Jahrhundert ein Bündnis mit Assyrien schloss. Am vehementesten wehrten sich die Propheten Elija, Hosea und Jeremia gegen gegen jede Art von Baalskult. Grösster Dorn im Auge war ihnen dabei die in den Kultstätten des Baal betriebene Tempelprostitution.
Moses Mahnung tönte weit in die Geschichte hinein: „Lasst euer Herz nicht verführen, dient nicht anderen Göttern, und werft euch nicht vor ihnen nieder!“ Die Sorge um die Reinheit des israelitischen Eingottglaubens blieb seit der Landnahme zentrales Thema der ersttestamentlichen Bücher.

JUDITH HARDEGGER

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