Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

Vergangene Ausgabe
Leserbrief Service Archiv Impressum Kontakt
Sie sind hier: Startseite Archiv 2006 forum Nr. 21, 2006 Bauplan fürs Leben
Pilotprojekt "Sihlcity-Kirche"

Bauplan fürs Leben

Artikelaktionen
Am 22. März 2007 öffnet der neue Stadtteil Sihlcity seine Türen und Tore. Im Herzen des Areals der ehemaligen Sihl Papierfabrik wird die Sihlcity-Kirche zu finden sein.

Von weitem ist der rötliche Fabrikkamin zu sehen, der wie ein Leuchtturm den Weg zur Sihlcity-Kirche weist, die sich unmittelbar beim Kamin befindet. Der neue Kirchenraum, der vom Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden der Stadt Zürich, dem Verband der stadtzürcherischen evangelisch-reformierten Kirchgemeinden und der christ-katholischen Kirchgemeinde Zürich getragen wird, soll für die Menschen in ihrem Alltag da sein. Das ökumenisch geführte Projekt steht nach dem Vorbild der Bahnhofkirche auch den anderen Religionen offen, wie Josef Arnold, Co-Präsident der „Sihlcity-Kirche“-Kommission, betont: „Alle Menschen sind willkommen und können die Dienstleistungen der Kirche an diesem Ort in Anspruch nehmen.“
Im Zentrum steht ein Andachtsraum, in dem die Menschen Stille für das Gebet oder die Meditation finden können. Eine grosse Bibel und ein Anliegenbuch liegen auf, und es gibt eine Kerzenburg, wo Menschen Kerzen anzünden können. Zweiter Schwerpunkt des Pilotprojekts ist die Seelsorge: Während den Öffnungszeiten zwischen 9 und 21 Uhr ist immer eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger anwesend. Ohne Anmeldung, anonym und ohne Kosten können Menschen zu einem Gespräch über das, was sie bewegt, vorbeikommen. Josef Arnold erläutert, dass sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger im ganzen Gelände bewegen werden: „Die Kirche ist für die Menschen da – und sie soll zu den Leuten gehen. Die Kirche möchte sich mit ihrem Angebot in das Ensemble im Einkaufszentrum Sihlcity integrieren und ihre Dienste den anderen Mietern zur Verfügung stellen. Vernetzung ist uns wichtig, ohne dass wir uns anbiedern möchten, denn schliesslich sind wir ja nicht Teil der Geschäftswelt.“ Beim Zugang zum Seelsorgebereich soll zudem ein Empfang eingerichtet werden. Dort werden Freiwillige arbeiten, die diesen Empfang, den Eingangsbereich und den Raum der Stille betreuen.

IM MITTELPUNKT DES GESCHEHENS
Dass eine neue Kirche inmitten von Bars, Nachtlokalen, Einkaufsgeschäften und Kinos entsteht, ist keineswegs selbstverständlich: Die Sihlcity-Kirche vertritt keine kommerziellen Interessen und verkauft keine Waren. Nichtsdestotrotz signalisierte die Bauherrschaft ihr Wohlwollen und die Bereitschaft, auf die spezifischen Wünsche der Kirchen einzugehen, wie Josef Arnold ausführt: „Die Verantwortlichen haben gemerkt, dass es auch im Interesse der Wirtschaft liegt, wenn für das Wohl der Menschen gesorgt wird, und dass der Gemeinsinn gerade durch ein Projekt wie dasjenige der Sihlcity-Kirche gefördert wird.“
Das vierjährige Pilotprojekt „Sihlcity-Kirche“ ist auf Anregung von Seelsorgerkreisen entstanden und hat in überaus kurzer Zeit die Instanzen durchlaufen. Das Konzept lehnt sich stark an dasjenige der Bahnhofkirche an und soll im Verlaufe der Zeit durchaus verändert werden können, falls sich nicht der gleiche Erfolg einstellt wie bei der Bahnhofkirche. Josef Arnold spricht die Risiken an, die mit dem Projekt verbunden sind: „Es kommen viel weniger Menschen mit ganz anderen Beweggründen und Zielen in die Sihlcity als zum Bahnhof. Auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass Millionen für Renovationen von Kirchen ausgegeben werden, die dann nur wenige besuchen. Mit der Sihlcity-Kirche sind wir hingegen ganz im Mittelpunkt des Geschehens, da bauen wir am Leben.“

MAGNUS LEIBUNDGUT

www.sihlcity.ch

Artikelaktionen