Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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GLOSSE

SOS Narrenschiff

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„Ich bin auch eine End-los-Schleife!“, so können in Zukunft die Busse und Trams der VBZ stolz für sich werben. Wer in der Stadt Zürich mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist, darf sich glücklich schätzen, denn er ist der Unsterblichkeit wieder ein gutes Stück näher gerückt.
Ich werde unsere Gratis-Abendzeitung künftig nicht mehr überflüssig schimpfen, denn sie war es, die mir diese frohe Botschaft verkündet hat: Das Wort „Endstation“ wird aus dem Wortschatz der Fahrerinnen und Fahrer und erst recht vom Band gelöscht. „Es gab Leute, die sich beschwert haben, weil das Wort Endstation negative Assoziationen mit dem Tod weckt“, liess die VBZ als Begründung verlauten.
Ist das nicht rührend? Endlich weiss ich, weshalb ich im Tram nie ganz glücklich wurde. Es war nicht das fehlende Feng-Shui-Ambiente, nicht der permanente Elektrosmog unter der Fahrleitung und auch nicht der böse Blick jenes Fahrgastes, dem ich den letzten freien Zweierplatz weggeschnappt hatte. Es war die negative Ausstrahlung dieses Wortes „Endstation“.
Da muss man sich ja wie im fahrenden Sarg und nicht wie in einer Sänfte vorkommen. Versorgt in einem Leichenwagen, der uns kollektiv ins Silo 8 und darüber hinaus spediert.
Ich kann aufatmen, denn jetzt werde ich mit „Endhaltestelle“ bis zur Glückseligkeit eingelullt. Fast bin ich versucht, endlich zu sagen, wenn das nicht schon wieder einen tödlichen Beigeschmack hätte. Da fällt mir ein, dass ich mit „Endhaltestelle“ doch nicht ganz zufrieden bin. Wäre Neuaufbruchshaltestelle nicht noch positiver? Und müsste man nicht insgesamt radikaler durchgreifen? Lasst uns alle Enden aus dem Wortschatz streichen und so dem Tod ein Schnippchen schlagen. Damit sich der wie eine falsch adressierte Mail in unserer Welt verläuft und niemanden mehr findet, den er mitnehmen kann.
Eintrag ins Logbuch: Ich bin in der „Al-ten Kommende“ aufgewachsen. Jahrelang „komm Ende!“ als Adresse – wen wundert’s, dass ich ein freudloser Geselle geworden bin.

THOMAS BINOTTO

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Das „Narrenschiff“, 1494 von Sebastian Brant verfasst, ist eine spätmittelalterliche Satire, in der durch bewusste Übertreibung der Zeitgeist karikiert wird.