„move“ – individuell fördern
 An einen Förderunterricht für Jugendliche, ist für einkommensschwächere Familien aus finanziellen Gründen oft nicht zu denken. Das wusste auch der Berufs- und Laufbahnberater Hugo Brunner. Jahre schon war er bei der Katholischen Arbeitsstelle für Jugendarbeit und Jugendberatung im Kanton Zürich tätig, als er 1999 auf die Idee kam, neben dem breit gefächerten psychologischen Beratungsangebot zusätzlich einen Förderunterricht einzuführen, der Rücksicht auf die jeweiligen finanziellen Verhältnisse nehmen kann. „Als kirchliche Stelle sahen wir es auch als unseren Auftrag an, ärmeren Familien zu helfen“, erklärt er rückblickend. Seit Anfang ist es deshalb so geregelt, dass eine Stunde Unterricht zwischen 5 und 30 Franken kostet. Wenn auch 5 Franken zu viel sein sollten, dann kann Projektleiter Brunner ebenso gut mit einem quasi symbolischen Betrag von drei Franken leben. „Aus pädagogischen Gründen sind wir allerdings der Meinung, dass der Unterricht nicht kos-tenlos sein soll“, erklärt er.
Inzwischen ist das Projekt namens „move“ etabliert und zu einem festen Bestandteil des Angebots im Haus Auf der Mauer 13 geworden. Viele Jugendliche, die sich im Rahmen von Förderkursen individuell betreuen lassen, stammen aus fremdsprachigen Familien oder leben in schwierigen sozialen Verhältnissen. Daraus kann leicht eine Benachteiligung für die Schul- oder Berufsausbildung entstehen. Auch längere Krankheit, Mobbing innerhalb des Klassenverbands oder der fehlende Draht zu einer Lehrperson könne, so Brunner, schnell einmal dazu führen, dass einzelne Schülerinnen und Schüler den Anschluss verpassten.
Gegenwärtig besuchen – nach einer gründlichen Vorabklärung – rund zwanzig junge Frauen und Männer Förderunterrichtsstunden. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Einzelunterricht. „move“ arbeitet für dieses Projekt mit einem Pool von festen Mitarbeitenden zusammen, die jeweils für einzelne Fächer zuständig sind. Grösstenteils sind es junge Studentinnen und Studenten, die sich bereit erklären, Jugendliche oder junge Erwachsene mit Hilfe des Förderunterrichts inhaltlich wie auch mental zu begleiten – dann, wenn es darum geht, einen bestimmten Stoff, der versäumt worden ist, nachzuholen, oder dann, wenn es gilt, gezielt auf bevorstehende Prüfungen wie Lehrabschluss oder Matura hinzuarbeiten.
Trotz des nachweislichen Erfolgs ist man bei der Jugendseelsorge Zürich zurückhaltend mit breiteren Werbekampagnen. Zuerst müsse jeweils die Finanzierung des Status quo gesichert sein. Diese Aufgabe muss von Jahr zu Jahr neu angegangen werden, da regelmässige Zahlungen nur von der Katholischen Kirche erfolgen. Der grosse Rest muss mittels Spendengeldern von Einzelpersonen, Stiftungen und Fonds gedeckt werden. Bis heute ist es so, dass die meisten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die an einem Förderunterricht teilnehmen, sich bereits zuvor im gleichen Haus psychologisch beraten liessen. Andere dagegen sind Externe, die darauf aufmerksam wurden, dass hier eine solche Dienstleistung zu äusserst moderaten Preisen angeboten wird. Zweifellos liessen sich unter diesen Rahmenbedingungen weitere Interessenten finden. Doch Hugo Brunner, durchaus erfreut über den erzielten Erfolg, ist darauf bedacht, dass das Budget nicht aus dem Ruder zu laufen beginnt.
SANDRO SCHAUB