Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Menschen der Bibel: zum Beispiel die Königin von Saba

Quizshow am Jerusalemer Hof

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Bis in die arabische Welt dringt der Ruf des Königs und Tempelerbauers Salomo. Er soll an Weisheit, Beredsamkeit, Scharfsinn und Reichtum nicht zu überbieten sein. Das ist auch der Königin von Saba zu Ohren gekommen, und weil sie sich selbst von diesem sagenhaften Herrscher ein Bild machen will, reist sie mit ihrem Hofstaat nach Jerusalem, um Salomo zu prüfen. Es wird ein geistiger Wettkampf veranstaltet, so eine Art antiker Talkshow, ein öffentliches Spektakel, wie sie damals an Königshöfen beliebt waren.
„Drei assen und tranken auf Erden und waren weder männlich noch weiblich geboren. Wer waren die?“ – „Die drei Engel, die Abraham besuchten.“ Ein Punkt für Salomo. „Auf welchem Land hat die Sonne nur einmal geschienen?“ – „Auf dem Meeresboden, als die Wasser einen Tag lang für Mose geteilt wurden.“ Wieder weiss Salomo die Antwort, und so geht das weiter, bis die arabische Königin aus ihrem Staunen und ihrer Bewunderung nicht mehr herauskommt. Sie überschüttet Salomo mit kostbaren Geschenken, preist gar dessen Gott Jahwe und kehrt dann in ihr fernes Reich zurück. Damit endet die biblische Version der Geschichte, die wir im zehnten Kapitel des ersten Buches der Könige finden. Woher also hatte King Vidor den Stoff für seinen 1959 entstandenen Hollywood-Liebesfilm „Salomon und die Königin von Saba“? Der Regisseur konnte auf reiches Legendenmaterial zurückgreifen, insbesondere aus Äthiopien. Das äthiopische Nationalepos „Kebra Nagast“ (Ruhm der Könige) aus dem 13. Jahrhundert erzählt eine wahrlich filmreife Fortsetzung der Geschichte:
Salomo verliebt sich in die Königin von Saba und schafft es dank einer List, sie zu sich ins Bett zu holen. Er lädt sie zu einem scharfen und sehr salzigen Mahl ein und überredet sie, die Nacht in seinem Palast zu verbringen. Sie willigt nur unter der Bedingung ein, dass er sie nicht anfasse. Salomo ist einverstanden, wenn sie im Gegenzug verspricht, nichts aus dem Palast zu entwenden. Nun bekommt die Königin in dieser Nacht aber so grossen Durst wegen des pikanten Essens, dass sie nicht anders kann, als Wasser zu trinken. Damit bricht sie ihr Versprechen, wodurch sich der König auch an das seine nicht mehr gebunden fühlt. Die Königin wird schwanger und gebiert nach ihrer Rückkehr nach Äthiopien einen Sohn namens Menelik. Als dieser erwachsen ist, reist er nach Jerusalem, um von seinem Vater Salomo zum König gesalbt zu werden. Doch wie Menelik erfährt, dass Rechabeam Salomos Nachfolger sein wird, stiehlt er die Bundeslade mit den Gesetzestafeln des Mose aus dem Allerheiligsten des Tempels und bringt sie nach Aksum, in die heilige Stadt der Äthiopier. Als König David II. besteigt er den Thron und lässt in Äthiopien um die Bundeslade ein zweites Jerusalem errichten. So kommt es, dass sich noch der letzte äthiopische Kaiser, Haile Selassie, 1955 als direkten Nachfahren von Menelik, des Sohnes von König Salomo und der Königin von Saba, bezeichnete.
Niemand weiss, ob es die märchenhafte Königin tatsächlich gegeben hat, in sabäischen Inschriften aus dieser Zeit taucht ihr Name jedenfalls nirgends auf. Dennoch ist es durchaus denkbar, dass König Salomo Verbindungen zu einer arabischen Königin unterhielt – dass es solche gab, ist historisch bezeugt. Der Grund für derartige Kontakte dürften Handelsbeziehungen gewesen sein, denn Saba zählte zu den grossen Handel treibenden Beduinenstämmen und König Salomo kontrollierte die Karawanenwege, die von Nordarabien nach Syrien und Ägypten führten.

JUDITH HARDEGGER

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