Mehr als ein Beruf
Bereits im März feierte die Sakristanenvereinigung Zürich-Schaffhausen ihr 60-Jahr-Jubiläum mit einem feierlichen Gottesdienst in Herz Jesu Wiedikon, zusammen mit Weihbischof Paul Vollmar. „Von 105 Mitgliedern waren 62 Kollegen hier“, freut sich der Präsident der Sakristanenvereinigung, Max Huonder. „Dazu noch 15 Gäste!“ Begonnen hatte es mit nur drei Sakristanen, die 1945 an der Delegiertenversammlung der Schweizerischen Sakristanenvereinigung teilgenommen hatten und beschlossen, eine kantonale Vereinigung zu gründen.
NICHT NUR BEGEISTERUNG
Ein Jahr später war es so weit: Mit 17 Kolle-gen wurde die Zürcher Sakristanenvereinigung aus der Taufe gehoben – und bald schon schlossen sich Sakristane aus dem Nachbarkanton Schaffhausen an. Wobei zu Beginn längst nicht in allen Pfarreien helle Begeisterung über den neuen Zusammenschluss herrschte: „In den finanziell schwachen Diasporaverhältnissen befürchtete man (teil-weise berechtigt) soziale Forderungen und Vorstösse gewerkschaftlicher Art. Doch erste Anliegen der neuen Sakristanenvereinigung waren kameradschaftlicher Zusammenschluss, religiöse und berufliche Weiterbildung – und erst an dritter Stelle sollten auch soziale Probleme im Rahmen des Möglichen an die Hand genommen und verbessert werden, wie der Aktuar des ersten Vorstandes und spätere Vereinspräsident Konrad Good zum 50-Jahr-Jubiläum 1986 schrieb.
BERUFUNG
„Sakristan ist eine Berufung, kein Beruf“, ist der heutige Präsident der Sakristanenvereinigung, Max Huonder, überzeugt: „Man muss eine gute Beziehung zur Kirche haben.“ Die grosse Selbständigkeit bei der Arbeit fasziniert ihn nach wie vor: „Die Arbeit muss gemacht sein, aber einteilen kann ich sie völlig frei.“ Je nach Pfarrei gebe es sowohl einen Sakristan wie einen Hauswart – der Hauswart sei dann eher fürs Pfarreizentrum zuständig, während sich der Sakristan um die Kirche kümmert: Blumen, Sauberkeit, Heizung, liturgische Geräte und Gewänder, Vorbereitung aller Gottesdienste und so weiter. Huonder ist seit 1997 Präsident und freut sich sehr, dass in dieser Zeit 40 neue Sakristane der Vereinigung beigetreten sind. Allerdings wünscht er sich noch mehr Sakristane mit fremdsprachigen Wurzeln. „Immer mehr Sakristane sind ursprünglich anderssprachig. Auch sie sind herzlich willkommen!“, unterstreicht er.
FLEXIBEL UND LEBENDIG
Während die Sakristanenausbildung vom Schweizerischen Verband übernommen wird, organisiert die kantonale Vereinigung eintägige Weiterbildungen, Exerzitien, Maiandacht, Adventsfeier und Ausflüge. „Ein attraktives Programm, das die Gemeinschaft unter den Sakristanen und ihr berufliches Niveau erhalten soll“, meint Huonder. Dafür setzt er viel Zeit ein, um zusammen mit dem Vorstand die Anlässe zu organisieren und seine Kollegen regelmässig darüber zu informieren. „Die Partnerinnen der Sakristane sowie die immer öfter Teilzeit angestellten Sakristaninnen sind natürlich ebenso willkommen“, betont er. Bei Problemen finden Sakristane in der Vereinigung Rat und Unterstützung.
In der einen oder anderen Pfarrei habe man auch schon versucht, ohne Sakristan auszukommen und die Arbeit einem Putzinstitut zu übertragen. „Doch das hat nicht geklappt“, weiss Huonder. „In der Kirche braucht es Menschen mit grosser Flexibilität, die auf spontane kirchliche Anlässe reagieren können“, unterstreicht er. „Nur so bleibt die Kirche lebendig!“
BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER