Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2006 forum Nr. 15, 2006 Liebe Leserin, lieber Leser
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China fasziniert, China boomt, und vor allem: China verändert sich. Wer vor zehn, zwanzig Jahren Peking oder Schanghai besucht hat, wird die Städte heute kaum wieder erkennen. Wo früher ein alterslos scheinender Mann an einem Imbissstand Dim Sum zubereitet hat, verwöhnt jetzt ein Schweizer Koch im Fünf-Sterne-Hotel seine Gäste mit Haute Cuisine. Und wo einst auf langgezogenen Strassenmärkten Kleider feilgeboten wurden, haben internationale Designer-Boutiquen Einzug gehalten. Die atemberaubende Skyline der Grossstädte zeugt von der Dynamik einer auf Wachstum programmierten Wirtschaft. Mit dem ökonomischen Fortschritt konnte zwar die absolute Armut überwunden und die soziale Modernisierung vor allem in den Städten und in wirtschaftlich erfolgreicheren Provinzen vorangetrieben werden. Auch die allgemeine Rechtslage der Bewohner hat sich verbessert. Doch China ist noch immer ein Entwicklungsland, in dem rund zwei Drittel der Bevölkerung auf dem Land in zumeist sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Stadt und Land hat sich in den letzten Jahren dramatisch geöffnet und zu sozialer Unrast geführt. Korruption und Betrügereien gehören zu den Alltagserfahrungen. Dafür sind Konzepte wie Umweltschutz oder Wirtschaftsethik weitgehend unbekannt.
Der Wandel in Wirtschaft und Kultur beeinflusst auch das Verhältnis der Chinesinnen und Chinesen zum Christentum: Der christliche Glaube ist gefragter denn je. Wo das kommunistische System zunehmend keine Werteorientierung mehr bieten kann und der Kapitalismus seinerseits traditionelle soziale Bezugs-systeme auflöst, da gibt die Kirche den Menschen ein Stück Gemeinschaft zurück und die Verheissung, das spirituelle Vakuum füllen zu können. Rund 13 Millionen Katholiken leben derzeit im Reich der Mitte. Tendenz steigend. Auch das ein faszinierender Aspekt chinesischer Wirklichkeit.


PIA STADLER


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