Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Konvertitenkurs

Dem Glauben auf der Spur

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Zweimal pro Monat trifft sich eine bunte Gruppe im Foyer Liebfrauen zum Konvertitenkurs. Dabei wollen nicht alle zum katholischen Glauben konvertieren. Alle aber wollen ihn vertiefen.

„Meine Enkel kommen mit so vielen Fragen zum Glauben, da will ich Antwort geben können“, sagt eine katholische Grossmutter, die im einjährigen Konvertitenkurs genau das findet, was ihr für die Auseinandersetzung mit ihren Enkeln fehlt. Andere haben katholische Partner und möchten wissen, was hinter der Liturgie und den Sakramenten steckt. „Jeder Abend ist einem bestimmten Thema gewidmet, das wir anhand eines Bibeltextes und meist eines Bildes angehen“, erklärt Vikar Titus Lenherr, der im Auftrag des Bischofs für Konvertiten (Menschen, die zum katholischen Glauben wechseln) und Katechumenen (Menschen, die getauft werden möchten) da ist.
Es herrscht gespannte Aufmerksamkeit unter den über 20 Anwesenden. Entsprechend dem Kirchenjahr geht es im Mai, kurz nach Ostern, um die entstehende Gemeinde von Antiochia und was für das Christsein heute daraus zu lernen ist. Aus aktuellem Anlass wird auch diskutiert, warum im evangelischen Raum Karfreitag als das grösste Fest gefeiert wird, während Katholiken Ostern hervorheben. Vikar Lenherr löst den vermeintlichen Widerspruch auf: „Man kann verschieden gewichten, aber Karfreitag und Ostern gehören zusammen!“ Das zeigt er dann gleich anhand von Bildern aus der Kunstgeschichte, vom Mittelalter bis zur modernen Kunst: lauter Auferstehungsbilder, die irgendwo auch ein Kreuz enthalten, oder Kreuzigungsbilder, die bereits die Auferstehung andeuten. Dann werden Zeichnungen verteilt, voller Symbole und Bibelzitate, kleine Kunstwerke, die immer ein Stück Heilsgeschichte versinnbildlichen. Heute wird die Linie gezogen von der Schöpfungsgeschichte über den Gott, der sich Moses als der „Ich bin da“ zu erkennen gibt, bis zur Menschwerdung Gottes in Jesus und der Einsetzung der Eucharistie, die zusammen mit der Auferstehung Jesu den Menschen die gleiche Nähe zu Gott wieder schenken können, wie sie ursprünglich im Paradies erlebt und dann verloren wurde.
„Ich möchte aufzeigen, wie die Liturgie jedes Festes die Heilsgeschichte gegenwärtig macht“, erklärt Titus Lenherr, „wichtig ist mir auch ein vertieftes Verständnis der Bibel sowie der Tradition.“ Dabei dürfe es „ja nicht“ fundamentalistisch werden, er zeige immer auch die Gewichtungen in den anderen Konfessionen auf, die „einen Aspekt des ganzen Glaubens zeigen“. Natürlich stelle er auch die typisch katholischen Frömmigkeitsformen wie den Rosenkranz vor, auch ein Abend zum Thema Papst fehlt nicht. Auch hier ist Vikar Lenherr die möglichst nahe Anbindung an die Bibel wichtig.
Die Gruppe ist bunt gemischt, vom Mann aus China ohne christlichen Hintergrund bis zu Katholiken, die ihren Glauben auffrischen wollen. Jung und alt, Männer und Frauen sind vertreten. „Wer gar keinen christlichen Hintergrund hat, kommt vor dem Kurs in mehrere persönliche Gespräche mit Unterweisung“, führt Titus Lenherr aus, „damit eine Basis da ist, um die Themen im Kurs überhaupt zu verstehen.“ Natürlich ist er für alle für Seelsorgegespräche da. Katholiken, die ihren Glauben vertiefen wollen, sind sehr willkommen, wenn die Zeit jedoch knapp wird, haben die „echten Konvertiten“ bei Fragen den Vorrang. Am Schluss des Kursabends werden Wein, Wasser und Guetzli auf die Tische gestellt. In angeregtem Gespräch und aufmerksamer gegenseitiger Zuwendung bleiben die Kursteilnehmerinnen und
-teilnehmer noch etwas beisammen.

BEATRIX LEDERGERBER-BAUMER

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