Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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5 Jahre Bahnhofkirche Zürich

Offene Räume im Zwischengeschoss

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Die Zukunft der Kirche zeigt sich hier in der Nische, der Gastfreundlichkeit und der Anteilnahme. Diese Überzeugung hinterlässt ein Besuch in der Bahnhofkirche.

„Die SBB könnten ohne uns gar nicht mehr auskommen“, sagt Roman Angst selbstbewusst. Vor fünf Jahren gegründet, hat sich die Bahnhofkirche zu einer beliebten und wichtigen Dienstleistung im Hauptbahnhof entwickelt. So erfolgreich, dass die SBB erwägen, ähnliche Einrichtungen für alle Rail-City-Bahnhöfe auf die Wunschliste zu nehmen.
Der reformierte Seelsorger Roman Angst und sein katholischer Kollege Toni Zimmermann haben den Laden mitbegründet. Mit dem geschäftigen Wort hätten die Co-Leiter der Bahnhofkirche wohl kein Problem. „Wir sind weder ab- noch herausgehoben, sondern ein ganz alltäglicher Teil des Bahnhofs“, betont Toni Zimmermann. Und Roman Angst fügt hinzu: „Unsere Stärke liegt gerade darin, dass wir verwechselbar sind. Es kommen immer wieder Leute rein, die fragen, was es bei uns zu kaufen gebe. Wir sind nicht exklusiv, sondern inklusiv – und das macht unsere Türen weit auf.“ Gleichzeitig bleibe völlig klar und wichtig, dass die Bahnhofkirche ein christliches Angebot sei. Sie vereinnahmt andere Religionen nicht, bietet ihnen aber Gastfreundschaft und Raum. Zu 80 Prozent sind es Christen, welche die Bahnhofkirche nutzen, aber täglich beten hier beispielsweise auch Muslime und manchmal bilden sich vor dem Gebetsteppich regelrechte Warteschlangen.

IM ENGEN LIEGT DIE WEITE
Der Verzicht auf Exklusivität hat für die Bahnhofkirche Folgen: Selbst architektonisch werden die Nische und das Unscheinbare gepflegt. Im Zwischengeschoss, vis-a-vis der Gepäckfächern, neben Warteraum und WC-Anlagen ist sie eingebunden in das Erscheinungsbild der SBB. Die Arbeitsplätze der Seelsorger, die gleichzeitig auch Besprechungszimmer sind, haben keine Fenster, sind winzig und stets hängt das leise Surren der Belüftung im Raum. Diese äusserliche Enge, Abgeschiedenheit und Schlichtheit gehört mit zum Konzept: „Unsere Räume versprechen Vertraulichkeit, sie sind wie ein sichtbar gewordenes Seelsorgegeheimnis“, ist Toni Zimmermann überzeugt und geht darin mit Roman Angst einig: „Wenn sich die Türe schliesst, ist man sofort beim Thema. Hier drin bleibt kein Platz für Ablenkung. Man konzentriert sich sofort aufs Wesentliche, auf das Gegenüber, auf das Gespräch, auf das Anliegen.“
Der Verzicht auf Exklusivität, das Schlichte und Bescheidene dürfte gerade im hektischen Bahnhof dann doch eine ganz besondere Attraktion sein, ein Kontrast zur Atemlosigkeit des Alltags. „Die Menschen haben aus der Kapelle etwas anderes gemacht, als wir zunächst geplant hatten. Es wurde sofort ein Raum der Stille daraus, der keine Betriebsamkeit unsererseits verträgt“, bestätigt Toni Zimmermann diesen Eindruck.
Auch ihre ökumenische Zusammenarbeit verstehen die beiden Seelsorger offenbar inklusiv und nicht exklusiv. „Ökumene“ schreiben sie ganz selbstverständlich gross, alles andere würde die offenen Türen sofort wieder enger machen und das Konzept aus dem Gleichgewicht kippen.
Aber wie sicher ist die Bahnhofkirche ohne ihre Pioniere verankert? „Natürlich haben wir nach wie vor unseren Gründer-enthusiasmus. Aber wir sind ersetzbar wie alle anderen auch“, meint Roman Angst. Dass tatsächlich nicht alles an den beiden hängt, zeigt sich bei den vielen Freiwilligen, die dafür sorgen, dass die Bahnhofkirche zwar kein kontrollierter aber ein betreuter Ort ist. Und daran, dass mit Schwester Anna Affolter, Schwester Zoe Maria Isenring und Hans-Ruedi Rüfenacht drei Seelsorgende in Teilzeit angestellt wurden.

THOMAS BINOTTO

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Die Bahnhofkirche wird täglich von 300 bis 500 Menschen besucht. Jeden Tag wünschen zwischen 5 und 10 Personen ein persönliches Seelsorgegespräch. Weitere Informationen bietet der Jahresbericht, der auf der Website der Bahnhofkirche zu finden ist.


Weitere Informationen unter www.bahnhofkirche.ch