Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2006 forum Nr. 14, 2006 Liebe Leserin, Lieber Leser
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Liebe Leserin, Lieber Leser

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Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss! Manchmal wäre es angenehmer, weniger zu wissen. Das Einkaufen wäre viel einfacher oder jedenfalls mit unbelastetem Gewissen möglich. Wenn ich nicht wüsste, dass die Arbeitsbedingungen auf Costa Ricas Plantagen an Sklavenarbeit grenzen, würden mir Ananas viel besser schmecken. An meinen Jeans hätte ich mehr Gefallen, wenn Näherinnen in El Salvador und Bangladesch nicht fünfzehn Stunden täglich dafür schufteten, eingesperrt in einsturzgefährdete, nicht klimatisierte Arbeitshallen. Von Grossbanken gesponserte Konzerte würde ich mit noch grösserer Begeisterung besuchen, wenn diese Geldinstitute ihre Gewinne nicht auf Kosten von Entwicklungsländern machten. Ob Sportschuhe, Rosen oder Tomaten – was kann man eigentlich noch bedenkenlos kaufen?
Also nur noch Schweizer Bioprodukte und zertifizierte Fair-Trade-Kleider in den Einkaufskorb? Abgesehen davon, dass dies für Durchschnittsverdienende kaum zu finanzieren ist, wird immer wieder darauf hingewiesen, dass Boykott allein keine wirklich gute Lösung ist, weil dadurch Arbeitsplätze verloren gehen und somit die Falschen bestraft werden. Drum bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich zu informieren über all das, was ich eigentlich lieber nicht wüsste, nämlich wer zu welchen Bedingungen für die Produkte im Laden, im Restaurant oder im Reisebüro arbeiten muss. Denn wer, wenn nicht ich als Konsumentin, kann Firmen dazu bewegen, in ihren Produktionsbetrieben die Rechte der Angestellten zu wahren und faire, menschenwürdige Arbeitsbedingungen zu schaffen? Je mehr Widerstand sich unter der Kundschaft regt, desto grösser wird der Druck auf die Unternehmen, ihre soziale und ökologische Verantwortung wahrzunehmen.

JUDITH HARDEGGER

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Judith Hardegger