Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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125 Jahre Kirchenchor Rüti-Tann

Musik verschenken

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Musik strahlt aus, wenn man sie verschenkt: Das Motto des Kirchenchores Rüti-Tann ist nach 125 Jahren aktuell wie eh und je.

Gesungen und musiziert wurde in Rüti-Tann schon seit dem ersten katholischen Gottesdienst im Jahre 1866, mehr als 20 Jahre vor der Gründung der Pfarrei. Ein den Katholiken wohlgesinnter Rütner, Kantonsrat Wolfensberger, stellte ein Lokal für den Gottesdienst zur Verfügung und kaufte auch gleich eine Hausorgel mit acht Registern, die von seinem musikbegabten Sohn gespielt wurde. Ein Jahr später engagierte die „Genossengemeinde Pilgersteg“, die zur „Erhaltung und Hebung des Gottesdienstes“ gegründet worden war, bereits einen Musiklehrer, der einen kleinen Kirchenchor dirigierte und pro Probe 2 Franken verdiente. Das Jubiläum vom 11. Juni 2006 bezieht sich jedoch auf die offizielle Gründung des „Kath. Kirchengesangsvereins Rüti-Dürnten“ 1881. Der Chor bestand damals aus acht Damen und drei Herren.
Nach einer wechselvollen Geschichte mit Theateraufführungen, Maskenbällen, Defiziten, Kriegswirren, Auseinandersetzungen mit kirchlichen Vorgesetzten, lustigen Vereinsreisen und hoch stehenden musikalischen Aufführungen feiert der heutige „Kirchenchor Rüti-Tann“ mit seinen rund 40 Mitgliedern und mit Unterstützung des Kirchenchores Eschenbach sein 125-Jahr-Jubiläum mit einer konzertanten kirchenmusikalischen Feier.
Die selten aufgeführte Grosse Orgel-Solo-Messe von Joseph Haydn steht dabei im Zentrum. „Dieses Werk ist zu umfangreich, als dass man es in einen Gottesdienst hätte einfügen können“, erklärt Dirigent und Chorleiter Hans Philipp. „Deshalb entschlossen wir uns zu dieser kirchenmusikalischen Feier.“ Das heisst, das Trompetenkonzert in C von Antonio Vivaldi, das Regina Coeli von W. A. Mozart und eben die Grosse Orgel-Solo-Messe von Haydn werden in einen liturgischen Rahmen eingebettet. Seelsorger, die in den letzten dreissig Jahren den Chor wohlwollend begleitet und unterstützt haben, lesen Texte und Gebete. „So ist das Konzert eine kirchliche Feier und ein Dank an diese Seelsorger“, freut sich Hans Philipp. „Die Orgel-Solo-Messe ist ein sehr eigenwilliges Werk“, führt er weiter aus. „Die Tonart Es-Dur und die Besetzung durch zwei Englischhörner statt Oboen war ungewöhnlich. Ihr dunkler Klang färbt auf das gesamte Werk ab.“
Der Kirchenchor Rüti-Tann singt pro Jahr 15- bis 20-mal in Gottesdiensten. Alle fünf bis sechs Jahre gibt es grössere konzertante Aufführungen. „Wir singen von gregorianischen Chorälen bis Strawinsky, Jazz, Gospel oder modernen Werken alles, und der Chor macht mit Begeisterung mit“, erklärt der Dirigent, und man spürt auch bei ihm das innere Feuer. „Was zählt, ist das, was man verschenkt durch die Musik“, ist er überzeugt.
Nach über zwanzig Jahren als Chorleiter sucht Hans Philipp nun einen Nachfolger. „Da leider vor kurzem unser Organist Edi Hug, mit dem wir wunderbar zusammenarbeiten konnten, unerwartet gestorben ist, sind wir auch hier am Suchen“, bedauert Philipp. Doch dieser wird seinen Chor erst übergeben, wenn er wieder in guten Händen ist: „ Die Freude an der Musik soll in Rüti-Tann weiterhin ausstrahlen!“

BEATRIX LEDERGERBER

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Momentaufnahme einer Chorprobe. FOTO: ZVG