Liebe Leserin, Lieber Leser
Ohne Team geht in der Kirche gar nichts. Dieses Licht geht mir an Pfingsten immer wieder von neuem auf. Wir feiern an diesem Tag die Offenbarung, dass wir als Einzelkämpfer nichts
bewirken können. Nicht einmal der Einsiedler schafft es allein, denn ihm steht – hoffentlich – der Heilige Geist zur Seite.
Im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern tun wir uns jedoch schwer, Pfingsten genauso sinnenfreudig zu erleben. Geburt, Tod und Auferstehung von Jesus Christus sind dramatische
Ereignisse, die sich darstellen lassen, die sich einprägen, wo wir ohne grosse Anstrengung mitgehen können. Im Vergleich dazu scheint Pfingsten trocken, abstrakt, vergeistigt. Die Sendung des Heiligen Geistes wird mehr gepredigt als erlebt.
Weihnachten ist das private Fest der Familie. Ostern das intime Fest der persönlichen Gottesbeziehung. Und Pfingsten?
Pfingsten ist das befreiende Fest der Gemeinschaft, wo niemand ausgeschlossen wird, wo Selbstgenügsamkeit ein Ende hat, wo Herkunft, Hierarchie und Ansehen keine Rolle spielen, wo
Offenheit zum Angebot wird. Pfingsten ist das Fest einer lebensfreudigen Kirche.
Damit dieses Fest die richtige Dynamik entwickelt, müssen wir uns aber unbedingt an die Apostelgeschichte halten: Es geht nicht darum, Menschen rein zu holen, sondern zu den Menschen raus zu gehen. Die Kirche gehört nicht in eine feste Burg, wo man sich schutzbedürftig und ängstlich aneinander drängt. Sie gehört auf den Marktplatz, auf die Festwiese und an den Stammtisch, auf Wanderschaft und Entdeckungsreise, ins Freie und Befreiende hinaus, dort wo in allen Tonlagen und Sprachen gelebt wird. Die Apostel haben genau das gewagt und dabei die sensationelle Erfahrung gemacht, dass sie verstanden wurden und nie einsam waren. Pfingsten ist das Fest der Gemeinschaft. Und Gott verspricht uns den richtigen Team-Geist dazu.
THOMAS BINOTTO