Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2006 forum Nr. 10, 2006 Von Sri Lanka nach Äthiopien
Begegnung

Von Sri Lanka nach Äthiopien

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Vor zwölf Jahren berichtete das forum über die Anfänge der Sozialwerke des damaligen Zürcher Oberländer Dekans Peter Bachmann. Was macht er heute und was ist aus seiner Stiftung geworden?

1964 machte Peter Bachmann noch als Student seine erste Indienreise, allein und auf dem Landweg. Nach einem Aufenthalt bei Mutter Teresa reiste er weiter nach Sri Lanka, wo er vor seiner Heimfahrt noch wenige Tage bleiben wollte. Doch es kam anders. Das Schiff, das ihn nach Europa zurückbringen sollte, war schon zwei Wochen früher abgefahren, ohne dass man ihn hätte benachrichtigen können. Also blieb ihm nichts anderes übrig, als länger in Sri Lanka zu bleiben. „So lernte ich dieses Land kennen, das wie ein Paradies war: wunderschöne Landschaften, gastfreundliche Menschen und eine friedliche Atmosphäre.“ Es sei wie ein Virus gewesen, das ihn damals befallen habe, so dass er in den folgenden Jahren immer wieder in dieses Land reiste.
Im grösseren Stil ist er in Sri Lanka seit der Gründung seiner Stiftung 1994 tätig. Seither wurden fast 1500 Häuser gebaut, eine Tagesstätte für geistig behinderte Kinder eröffnet, zwei grosse Waisenhäuser renoviert, eine Berufsschule errichtet wie auch Wasserreservoirs erneuert, damit die Bauern ihre Felder bewässern können.

ENGAGEMENT IN ÄTHIOPIEN
Aber noch eine andere Weltgegend hat es ihm angetan: Afrika. Auf dem Rückweg von jener ersten Sri-Lanka-Reise machte das Schiff einen Zwischenhalt in Dschibuti. „Da habe ich einen richtigen inneren Kampf ausgefochten, ob ich nicht einfach meinen Rucksack packen, vom Schiff gehen und nach Äthiopien reisen sollte. Irgendwie zog es mich dahin, doch gleichzeitig warteten zuhause mein Studium, meine Verpflichtungen, meine Familie.“ Peter Bachmann blieb auf dem Schiff. Das war vor 42 Jahren, und während all den Jahren schlummerte dieser Wunsch, nach Äthiopien zu gehen, in ihm weiter. Erfüllt hat er sich im November des vergangenen Jahres. Auf dieser ersten Äthiopienreise lernte er in Lalibela, dem kleinen Ort mit den berühmten Felsenkirchen aus dem 13. Jahrhundert, einen 26-jährigen Forstingenieur kennen, der für ein Projekt zum Anbau von Olivenhainen verantwortlich ist. Durch ihn kam er mit der ansässigen Bevölkerung in Kontakt. „Zu sehen, in welchem Elend die Menschen da leben, war für mich erschütternd. Und bald war mir klar: Mein Ort ist jetzt auch da.“ 
Inzwischen hat Peter Bachmann in Lalibela diverse Projekte aufgezogen, die alle von einem Einheimischen koordiniert und geleitet werden. Eines davon betrifft den dortigen Fussballclub, für den die Tenüs finanziert wurden. Im Gegenzug helfen die Clubmitglieder mit beim Anbau und bei der Pflege der erwähnten Olivenbaumzucht. Daneben gibt es ein Landwirtschaftsprojekt, das auf eine Frauengruppe zurückgeht. „Frauen können in der afrikanischen Gesellschaft enorm viel bewirken und deshalb ist ihre Unterstützung sehr wichtig“, ist Bachmann überzeugt. Auch medizinische Vorsorge, Hygiene, Jugend- und Bildungsarbeit sind wichtige Projektbereiche. Dazu gehören neben einem Kinderwaisenhaus kleine betreute Wohngemeinschaften für elternlose Jugendliche. Zudem sind 42 einfache Wohnhäuser im Bau. Neben Sri Lanka und Äthiopien ist Peter Bachmanns Stiftung in Uganda, Bangladesh, Ghana und Kenia tätig. In Kenia gibt es grosse Landwirtschafts-, Aidspräventions- und Bildungsprojekte. In einem Slum in Nairobi, der von 750’000 Menschen bewohnt wird, wurde zum Beispiel ein Kindergarten aufgebaut, denn der Kindergartenbesuch ist in Kenia Voraussetzung für den Eintritt in die Primarschule, doch im Gegensatz zur Schule kosten Kindergärten etwas.

ÜBERSCHAUBAR UND PERSÖNLICH
Peter Bachmann betont: „Mein Ziel ist keineswegs, in der ganzen Welt Projekte zu gründen. Sie entstehen aus der Begegnung mit Menschen, die selber initiativ sind und gute Ideen haben, sie aber nicht finanzieren können. Ich schaue mir die Sache vor Ort genau an, und wenn es mich wirklich überzeugt, versuche ich zu helfen. Mein Engagement verstehe ich auch als Wertschätzung der Arbeit anderer.“ Als die Entscheidung anstand, ob die Stiftung vergrössert werden sollte, entschied er sich dagegen, weil ihm wichtig ist, dass das Ganze überschaubar bleibt und er jedes Projekt und alle Mitarbeitenden vor Ort persönlich kennt. Auch nahezu alle Geldgeber kennt er persönlich. Während seiner langjährigen seelsorgerlichen Tätigkeit hat er ein grosses Netzwerk von Bekannten aufbauen können. Diese schreibt er jeweils im Herbst an mit der Bitte um Hilfe für seine Stiftung. Darüber hinaus unterstützen verschiedene Kirchgemeinden die Stiftung, im Zusammenhang mit dem Tsunami waren es auch einige politische Gemeinden. Fast jeder Franken fliesst direkt in die Projektarbeit ein.
Peter Bachmann hat sich mit Haut und Haar dem Engagement für hilfsbedürftige Menschen verschrieben. Dennoch bleibt auch Zeit für anderes. Fast jedes Wochenende wird er für Gottesdienst-Aushilfen angefragt. „Ich bin froh um diese Anfragen, denn es ist mir wichtig, den Bezug zur Seelsorge aufrechtzuerhalten.
Darauf angesprochen, wie er sich seine Zukunft vorstellt, meint er: Ich habe grosses Vertrauen, dass viele meine Arbeit auch weiterhin mittragen und dass meine Freude, gute Gesundheit und meine Begeisterung anhalten werden.“ Wer das Leuchten in seinen Augen sieht, wenn er von seinen Projekten erzählt, zweifelt keinen Moment daran.

JUDITH HARDEGGER

www.bachmann-foundation.org

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Seit zwölf Jahren baut Peter Bachmanns Stiftung einfache Häuser in den Slums verschiedener Länder. FOTO: ZVG