Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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SOS Narrenschiff

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Was macht eigentlich der diplomatische Vertreter des Vatikans in der Schweiz? Wie sieht er die katholische Kirche? Was macht ihm Sorgen? Was Freude? Und wie heisst er überhaupt?
Diese Fragen hätten wir Erzbischof Francesco Canalini, seit September 2004 Nuntius in der Schweiz, gerne gestellt. Leider war die Agenda des Diplomaten aber bis über den Jahreswechsel hinaus voll besetzt – den Jahreswechsel 2006/2007. Keine Zeit also für Smalltalk auf Pfarrblatt-Niveau, obwohl wir garantiert keine Pyjama-Fragen gestellt hätten.
Was macht eigentlich der Nuntius den lieben langen Tag? Die erleuchtende Antwort auf diese Frage schien in weite Ferne entrückt. Immerhin war nun aber klar: Er macht wahnsinnig viel. Und dann wurde sogar publik, was. Am 20. November 2004 sorgte der grosse Unbekannte erstmals für Schlagzeilen in der Schweiz: „Nuntius interveniert wegen verschärfter Bussen-Praxis“.
War er tatsächlich bei der Kurie vorstellig geworden, um sich für homosexuell veranlagte Priesterkandidaten einzusetzen? Wollte er ein gutes Wort für die Geschiedenen einlegen?
Nichts da mit Nabelschau! In einem Anfall purer Selbstlosigkeit hatte der Doyen des diplomatischen Korps dem Bundesrat ins Gewissen geredet, wegen der verschärften Bussenpraxis der Berner Stadtpolizei. Er sorgte sich, weil nun auch Diplomaten gebüsst werden, wenn sie gegen Verkehrsregeln verstossen. Als oberster Diplomatenseelsorger bat der Nuntius um Milde für seine immunen Schäfchen.
Wir sehen das als Probegalopp für seine nächsten Aktionen als Briefträger. Demnächst wird er sicher im Karacho gen Rom brausen und dort die Anliegen der Schweizer Bischofskonferenz mit Verve vortragen. Er wird für Milde gegenüber den Laien im kirchlichen Dienst plädieren, wird die eucharistische Gastfreundschaft in hellem Licht erstrahlen lassen, und mit selbstlosem Engagement wird er für die Weihe der Viri probati einstehen. Sein Vorstoss beim Bundesrat war die Finte eines gewitzten Diplomaten: Er möchte so schnell wie möglich in den Vatikan rasen, ohne auf seiner Mission wegen Geschwindigkeitsübertretungen aufgehalten zu werden.
Eintrag ins Logbuch: Selbst gradlinigste Gesetzestreue werden barmherzig, wenn es um sie selbst geht.

THOMAS BINOTTO

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Das „Narrenschiff“, 1494 von Sebastian Brant verfasst, ist eine spätmittelalterliche Satire, in der durch bewusste Übertreibung der Zeitgeist karikiert wird.