Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Menschen der Bibel: zum Beispiel Petrus

Der Blick Jesu

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„Geh und sprich mit Petrus“, sagte mir mein Novizenmeister vor ein paar Jahren wĂ€hrend der Exerzitien zu meinen OrdensgelĂŒbden. Mehrere Meditationsstunden verbrachte ich in der Folge im Geiste in einem römischen GefĂ€ngnisverlies und unterhielt mich mit dem greisen Petrus, der am Ende seines bewegten Lebens auf seine Verurteilung wartete. Als gewöhnlicher Fischer war er mitten aus seinem Alltag heraus von Jesus gerufen worden, sein Boot zu verlassen, ihm zu folgen und Menschenfischer zu werden. Die Evangelien beschreiben ihn uns als einen Menschen mit Grenzen und SchwĂ€chen und dennoch hat Jesus gerade ihm seine Herde anvertraut.
Ich wollte wissen, wie Petrus selber das erlebt hat, was bei den Begegnungen mit Jesus in ihm vorgegangen ist. Und so begann ich, ihm meine Fragen zu stellen: Was hat ihm den Mut gegeben, einfach so seinen Beruf zu verlassen? Was ist aus seiner Ehefrau geworden, deren Mutter Jesus geheilt hat? Wie hat er sich gefĂŒhlt, als ihn Jesus als „Satan“ beschimpft hat? Warum wollte er sich nicht die FĂŒsse waschen lassen? Was hat er empfunden, als Jesus ihm voraussagte, er werde ihn dreimal verleugnen? Vor allem aber: Was hat Petrus in den Augen Jesu gesehen, als dieser sich beim Schrei des Hahnes umdrehte und ihn anblickte?
Auf viele der Fragen gab mir Petrus Antwort, indem er mich einlud, mein eigenes Leben zu betrachten: meine Freude und meinen Mut, den Weg des Glaubens einzuschlagen, meinen gelegentlichen Schmerz wegen des freien Platzes an meiner Seite, meinen Ärger, wenn es mal nicht nach meinem Willen lĂ€uft, meine Schwierigkeiten, mir helfen zu lassen und mir etwas schenken zu lassen, meine MĂŒhe, mir meine Grenzen vorhalten zu lassen und einzugestehen. Die letzte Frage aber, die nach dem Blick Jesu, liess er offen. „Da musst du schon selber hinschauen“, meinte der greise Petrus lĂ€chelnd.
Was hat Petrus gesehen in diesem dunkelsten Moment seines Lebens, in dem er radikal mit dem Scheitern seiner SelbstansprĂŒche konfrontiert wurde? Was sagte der Blick Jesu? War es ein enttĂ€uschter „Auch-du-Brutus“-Blick oder vielleicht ein hĂ€mischer „Habe-ich-es-dir-nicht-gesagt“- Blick? Und warum hat Petrus geweint? Aus Selbstmitleid wegen seines Scheiterns oder wegen dem, was er im Blick Jesu gelesen hat? Antony de Mello SJ meint in seiner Geschichte „Jesu Blick“, dass seine Augen gesagt haben: „Ich liebe dich.“ Petrus hat dazu nichts gesagt. Einzig sein Leben nach Ostern, sein unermĂŒdlicher Eifer im Dienst der Frohen Botschaft deuten darauf hin, dass er etwas gesehen haben muss, was sein Leben, sein SelbstverstĂ€ndnis im Tiefsten verwandelt haben muss.
Aber letztlich ist es mĂŒssig, darĂŒber zu spekulieren, was Petrus gesehen hat. Wichtig ist, was wir sehen. Jesus wendet sich immer wieder um und blickt auch uns an, jeden Einzelnen von uns in seiner ganz persönlichen Situation. Was sehe ich in seinen Augen? Was will er mir sagen? Um das zu erfahren, muss ich schon selber hinschauen, immer wieder, und gerade auch dann, wenn es mir vielleicht am schwersten fĂ€llt.

BEAT ALTENBACH SJ
HOCHSCHULSEELSORGER, AKI 

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