Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2005 forum Nr. 8, 2005 Der unverdächtigste Auferstehungszeuge
Menschen der Bibel: zum Beispiel Paulus

Der unverdächtigste Auferstehungszeuge

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Geboren etwa im Jahr 1 im südanatolischen Tarsus, ursprünglicher Name: Saulus; ausgebildet zum Rabbi, gesetzestreu im Sinn der Pharisäer. Er kritisierte die Juden, die an Jesus Christus glaubten und darum seiner Meinung nach das mosaische Gesetz gering schätzten.
Zwei Jahre nach dem Kreuzestod Jesu, um das Jahr 32, hatte er sein alles umwerfendes Damaskus-Erlebnis: „Unterwegs aber geschah es, dass ihn plötzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er stürzte zu Boden und hörte, wie eine Stimme zu ihm sagte: ‚Saul, Saul, warum verfolgst du mich?‘ Er antwortete: ‚Wer bist du, Herr?‘ Dieser sagte: ‚Ich bin Jesus, den du verfolgst.‘“ (Apostelgeschichte 9,3–5)
Darauf bekannte er sich rückhaltlos zum christlichen Glauben und nannte sich Paulus. In Jerusalem traf er mit Petrus und Jakobus, den Führern der Christengemeinde, zusammen. Offenbar anerkannten sie ihn als Apostel, obwohl er den Menschen Jesus gar nicht gekannt hatte. In den folgenden sechzehn Jahren zog Paulus als Wanderprediger durch Syrien und die Südtürkei, allerdings ohne erkennbare Wirkung.
Im Jahr 48 war er wieder in Jerusalem, zum „Apostelkonzil“: Es ging um die Frage, ob Nichtjuden, welche die christliche Taufe empfangen wollten, sich zuerst beschneiden lassen mussten, was bedeutete: Ob nur Juden Christen werden konnten? Paulus war nicht dieser Meinung, und er setzte sich durch: Andersgläubige „Heiden“ konnten ohne Umweg über das Judentum Christen werden. Damit war der Weg frei für die grossen Missionsreisen des Paulus, aber auch für die Trennung von Synagoge und Kirche.
Danach gründete Paulus mehrere Gemeinden in den grossen Städten Griechenlands und der Türkei, denen er bei Bedarf auch Briefe schrieb. Diese sind die ältesten Schriftstücke des neuen Testaments. Seine letzten sechs Lebensjahre verbrachte er als Gefangener, um das Jahr 64 wurde er in Rom hingerichtet.
Der Glaube von Paulus nährte sich allein aus der Begegnung mit dem auferstandenen Christus, darum ist er der unverdächtigste Auferstehungszeuge: „Als letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der ‚Missgeburt‘.“ Trotz dieser überwältigenden Erfahrung blieben auch ihm Zweifel: „Als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende.“ (2 Kor 5,6f) Neben Jesus war Paulus die zweitwichtigste Person für die Ausbreitung des christlichen Glaubens, man nennt ihn sogar den „zweiten Stifter“ des Christentums. Natürlich war er ein Sohn seiner Zeit. So glaubte er beispielsweise, das Ende der Welt und die Wiederkunft Christi würden sich noch zu seinen Lebzeiten ereignen. Schwierig erscheint heute vielen, dass Paulus den Kreuzestod Jesu recht einseitig als Sühneopfer deutete. Zudem ist er vielen Frauen ein Dorn im Auge, weil er die Frau dem Mann unterordnete. Doch er war seiner Zeit auch weit voraus, wenn er an die Kirche von Galatien schrieb: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus.“
Nicht nur diesen, sondern auch viele weitere Sätze, die zu den schönsten und aufbauendsten des Neuen Testaments gehören, verdanken wir Paulus. Zum Beispiel: „Wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besässe und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.“ (1 Kor 13,2.7)

GISELA TSCHUDIN,
GEMEINDELEITERIN ST. MARTIN ZÜRICH 

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