Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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In der Musik kommt man an der Religion nicht vorbei: Noch jeder Komponist hat irgendwann ein sakrales Werk geschrieben und jede Interpretin wird früher oder später eines dieser Werke spielen. Auch Musikliebhaber führen sich religiöse Musik stundenlang zu Gemüte, selbst wenn ihnen für die Kirche sonst jegliches Musikgehör abgeht. Das alles zeugt davon, welche Himmelsmacht die Musik sein kann. Ihr gelingt, was der Kirche oft so schwer fällt: Sie erreicht die Menschen auf direktem Weg und berührt sie ganz unmittelbar. Der göttliche Atem weht in der Musik so unverkrampft und ungehemmt wie sonst kaum wo. Bach, Mozart, Bruckner, Pärt und vielen anderen gelingt es scheinbar spielend, dem Glauben eine sinnenhafte Gestalt zu geben – man verstünde, wenn die gelehrte Theologenzunft darob unisono neidgrün anlaufen würde.
Allerdings, die heftige Diskussion darüber, was Kirchenmusik kann, soll und darf, gibt es natürlich auch. Und wenn es zum Streit kommt, wird der Muse dann wieder ziemlich schnell der Garaus gemacht. Im schlimmsten Fall führen die Auseinandersetzungen dazu, dass die Musik ganz verstummt, weil sich die verschiedenen Lager bis zum Stillstand streiten, wie es Clemens Prokop in seinem Beitrag beschreibt (Seite 4–6).
Zum Glück gibt es aber immer wieder Begeisterte – Profis und Amateure –, die den Weg weitergehen und die Versuche zur Blockade ignorieren. Und zum Glück gibt es die Karwoche, dieses Urdrama der Menschheitsgeschichte, das eine unerschöpfliche Kraft- und Inspirationsquelle darstellt. Davon lässt sich die Musik nicht aussperren, hier muss sie einfach ein Wort mitsingen.

THOMAS BINOTTO

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