Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

Vergangene Ausgabe
Leserbrief Service Archiv Impressum Kontakt
Sie sind hier: Startseite Archiv 2005 forum Nr. 26, 2005 Wenn Frauen feiern
Ökumenische Frauenbewegung Zürich

Wenn Frauen feiern

Artikelaktionen
In ökumenischen Gottesdiensten sind Frauen seit 20 Jahren gemeinsam unterwegs. Sie suchen nach neuen Formen und einer eigenen Sprache.

Den Anstoss für das ökumenische Frauenprojekt „Frauen feiern“ gab vor 21 Jahren die Zürcher Disputation 84, die Erneuerungsbewegung der Reformierten Kirche des Kantons Zürich, ähnlich der katholischen Synode 72. Frau war da erst kein Thema – aber Frau wehrte sich. Ein ökumenischer Frauengottesdienst im Fraumünster zur Eröffnung war die Folge. Die Glut der Stimmen dieser ersten Zeit hat in ihrer Dringlichkeit und ihrem Protest vielleicht etwas nachgelassen; das Feuer aber brennt. Es gibt die Frauen des Anfangs, zum Beispiel die reformierte Kirchenrätin Irene Gysel, die immer noch dabei sind. Engagierte Frauen beider Landeskirchen sehnten sich nach ihrer Sprache, nach ihrem Ort in der Liturgie. Sie experimentierten, suchten nach eigenständigen Formen. Sie wollten dort ansprechen, wo sie nicht angesprochen waren. Damals strömten bisweilen an die 120 Frauen (auch Männer) in diesen „anderen Gottesdienst“. Die Projektgruppe „Frau sein – Kirche sein“ träumt den Traum vom gemeinsamen Aufbruch noch heute in die Realität. Das Motto des allerersten Gottesdienstes, nach Dom Hélder Câmara, bleibt lebendig: „Wenn viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“

STARKE FRAUENGESTALTEN
„Was ist der Anfang vom Anfang?“ Nach einer eindrücklich in Szene gesetzten Frauengestalt, Rizba aus dem 2. Buch Samuel, werden die ungefähr 25 Frauen und ein Mann, die sich an diesem Abend in der Krypta der Liebfrauenkirche versammelt haben, mit dieser Frage konfrontiert. Immer wieder neu suchen Frauen nach einer ganz persönlichen Antwort auf diese Frage. Am 1. Adventssonntag steht sie im Kontext von Advent – Ankommen. „Dort, wo sich zwei Menschen einander zuwenden, face-à-face – da ist Ankommen. Deshalb setzen wir uns nicht in Reihen hintereinander, sondern im Kreis einander gegenüber.“ Auch Rizba hat nicht weggeschaut, sondern hat neben den Toten ausgeharrt. Sie setzte sich auf ein schwarzes Tuch, trauerte geduldig und würdigte in ihrer Wache die Getöteten. Diese starke Geschichte wird nicht nur vorgelesen. Rizba erhält, in der Ich-Form erzählt, Aktualität, Lebendigkeit und Sprache. Frauen aus dem Kreis stellen sich an den Ambo: „Rizba erinnert mich an die vielen im Krieg misshandelten Frauen, die Kindern von Vergewaltigern Leben schenkten.“ – „Ein Arzt im Toggenburg muss aus dem Dorf wegziehen, weil seine Frau und seine Kinder schwarz sind.“ Wo beginnt die Zukunft?
Wild zusammengetragen wurden die Ideen für die ersten Frauengottesdienste. Inzwischen gibt es einen Leitfaden mit verbindlichen Elementen, an den sich die vorbereitende Frauengruppe halten kann: Ankommen, im Kreis, um eine schön gestaltete Mitte, Gebet, Bibelwort, aktive Teilnahme der Feiernden an der Diskussion. Die Projektgruppe „Frau sein – Kirche sein“ der Ökumenischen Frauenbwegung Zürich fragt Frauengruppen und Institutionen direkt für die Gestaltung eines Gottesdienstes an. Das Thema ist frei. Wo Frauen feiern, verändern sich Bedürfnisse und Sprache, und obwohl wenige junge Frauen neu dazukommen, bleiben die Frauen gemeinsam auf dem Weg. Sie erinnern sich, dass Aufbrechen und Ankommen immer wieder neu gelebt werden wollen. Da und dort werden Stimmen von „Frauen feiern“ in die Gemeinden hinausgetragen. An dem Podiumsgespräch „Frauen feiern – wohin?“ vom 27. September kam denn auch ein klares Ja zum Weitergehen.


ANDREA THALI


Artikelaktionen