Liebe Leserin, Lieber Leser
„Es weihnachtet“, sagen wir und meinen jene spezielle Atmosphäre, die jedes Jahr für ein paar Wochen über unser Land und unsere Herzen kommt. Wie ein Naturereignis umhüllt sie uns mit einer Wolke aus glitzernden Lichtern, Schneeträumen, Kerzenschein und Mandarinenduft. Weihnachten zu ignorieren, ist kaum möglich. Unterschiedlich jedoch ist die Art, darauf zu reagieren. Während für manche die Zeit der Abwehr und Flucht beginnt, würden andere gerne dem Zauber frönen, gälte es nicht, sich vor dem Vorwurf des naiven Konsumismus zu schützen. Wieder andere versinken bereitwillig im romantischen Ambiente, das zu anderer Zeit einfach nicht zu haben ist. Weihnachten ist kein Muss – es ist eine Möglichkeit.
Das unbeirrbare Festhalten am Geburtsfest Christi auch in einer säkularisierten Gesellschaft sieht die amerikanische Theologin Susan Roll in unserem „fundamentalen Bedürfnis nach sinngebenden Strukturen und zwischenmenschlicher Initimität“ begründet; in der Tatsache, dass wir alle einen Ort benötigen, an dem wir „zusammen und gleichzeitig“ das Leben feiern können: „Wir brauchen die Zusage, dass wir eine Würde haben, die über die blosse Funktionalität hinausreicht, und dass Gott uns gut geschaffen hat … Wie ein Kaktus, der unter unwirtlichen Bedingungen trotz allem wächst und gedeiht, bestätigt Weihnachten von Jahr zu Jahr, dass das Göttliche unter uns lebt: im Ereignis der Geburt Gottes, aber auch in unserem routinierten und rhythmischen Alltagsleben.“ Weihnachten sei das Fest der Liebe, sagen wir, und meinen die Erfahrung, berührt zu werden – sinnlich, besinnlich, gefühlvoll und in der Ahnung um eine Dimension, die unser endliches Leben übersteigt. „Es weihnachtet“ immer dann, wenn wir uns dieser grösseren Wirklichkeit öffnen.
Die forum-Redaktion wünscht Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, von Herzen eine segensreiche Weihnachtszeit und ein freudvolles neues Jahr.
PIA STADLER