Ein Ja mit Folgen
„Ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Mit diesen Worten liess sich eine junge Frau namens Maria einst auf ein Abenteuer ein, dessen Tragweite sie im ersten Moment wohl kaum erfasst haben dürfte. Zwar hat ihr der Engel klar gesagt, was Gott mit ihr vorhatte: „Du wirst ein Kind empfangen … dem sollst du den Namen Jesus geben … Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.
“Was aber hatte das zu bedeuten für die Zukunft einer jungen Frau, die verlobt war mit einem gewissen Josef und deren Leben noch vor ihr lag? Den Sohn Gottes sollte sie gebären, den künftigen König über das Haus David. Was ist in ihr angesichts dieser Perspektive vorgegangen? Träumte sie vielleicht auch für einen Moment den Traum vieler Mädchen: einmal in einen königlichen Palast einzuziehen?
Was immer sie sich vorgestellt hatte, die Folgen ihrer Berufung stellten sie auf eine harte Probe. Zuerst wollte sich ihr Verlobter still und leise von ihr trennen, weil er sie nicht blossstellen wollte. Dann musste sie ihr Kind in einem Stall gebären, weil es in den Herbergen keinen Platz mehr gab. Und schliesslich musste sie mit Mann und Kind bei Nacht nach Ägypten fliehen, wo sie einige Zeit im Exil verbrachten. Was hat dieser jungen Frau die Kraft gegeben, all dies auf sich zu nehmen und am Wort des Engels festzuhalten? Hatte sie wirklich in keinem Moment gezweifelt? War es nicht doch eine erlösende Bestätigung, als nachts plötzlich die Hirten auftauchten und freudig erzählten, was sie über dieses Neugeborene gehört hatten? Und wie tröstlich waren für sie wohl der Besuch der Sterndeuter und die Begegnung mit dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna im Tempel.
Andererseits dürfte das, was Simeon über das Kind gesagt hatte, nicht gerade zu Marias Beruhigung beigetragen haben. Jesus werde zwar viele aufrichten, aber auch viele zu Fall bringen und ihr, Maria, werde ein Schwert durch die Seele dringen. Wie erzieht man unter diesen Vorzeichen ein Kind? Welche Verantwortung muss auf den Schultern der jungen Mutter gelastet haben.
Maria wird als die Mutter aller Gläubigen bezeichnet, weil sie mit ihrem freien Ja die Geburt des Messias überhaupt erst möglich gemacht hat. Dieses Ja ist sicherlich eindrucksvoll, aber mindestens so eindrücklich ist die Auseinandersetzung mit dem Leben und den Sorgen Marias als Mutter, die hinter den spärlichen Informationen, die uns die Evangelien geben, nur erahnbar sind. Ja zu sagen ist eines, an diesem Ja durch alle Schicksalsschläge hindurch festzuhalten, ist etwas anderes.
Maria hat Ja dazu gesagt, die Mutter des Messias zu sein. Aber was diese Sendung bedeuten sollte, wer dieser Messias wirklich war und was schliesslich mit ihm geschehen ist, das alles war für seine Mutter wohl ebenso unerwartet und unverständlich wie für manche von uns noch heute. Das eigene Ja im Vertrauen auf Gottes Wort auch dann durchzuhalten, wenn man unter dem Kreuz steht und gar nichts mehr zu verstehen scheint, das heisst glauben. Und darin bleibt Maria auch für uns Mutter und Vorbild.
BEAT ALTENBACH
SJ HOCHSCHULSEELSORGER, AKI FOTO: ARCHIV FORUMÂ