Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2005 forum Nr. 24, 2005 Stamm-Mutter und verschachertes Weib
Menschen der Bibel: zum Beispiel Sara

Stamm-Mutter und verschachertes Weib

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Sie hiess noch Sarai, als sie im Land Ur, im Südosten des heutigen Irak, Abram heiratete. Zusammen mit ihrem Mann und dessen Sippe zog sie los Richtung Kanaan. Sarai bekam sehr lange keine Kinder. Als beide schon im Greisenalter waren, versprach Gott Abram, er werde von seiner Ehefrau noch einen Sohn bekommen (Isaak) und Stammvater einer Menge von Völkern sein, denen Gott ewige Bundestreue halten werde. Bei dieser Gelegenheit erhielten die beiden leicht geänderte Namen: Abram wurde zu Abraham („Vater der Menge“) und Sarai zu Sara („Herrin“).
Der Name Isaak, hebräisch: Jizchak – „er lacht“, ist eine Anspielung auf das Lachen, das Abraham und Sara ergriff, als sie hörten, dass sie in ihrem Alter noch das Glück der Liebe erfahren und ein Kind bekommen sollten. Von andern Frauen hatte Abraham einige Söhne, aber nur Isaak, der Sohn Saras, wurde der Vater der „Kinder der Verheissung“.
Eine weniger schöne, sehr patriarchale Geschichte aus dem Leben Saras wird oft verschwiegen, steht aber auch in der Bibel: Sara war Abrahams Halbschwester. Zweimal kamen die beiden auf ihren Nomadenwanderungen in Gebiete fremder Könige. Abraham fürchtete sich, man werde ihn umbringen, um an seine schöne Frau zu kommen. Darum bat er sie um ihr Einverständnis, dass er sie für seine Schwester ausgeben durfte: Sag doch, du seiest meine Schwester, damit es mir deinetwegen gut geht und ich um deinetwillen am Leben bleibe. Vorerst klappte es: Beide Male liessen die Könige Sara holen und wollten sie heiraten. Abraham schenkten sie Tiere und Sklaven.
Doch Gott liess nicht zu, dass die Ehe zwischen Sara und Abraham plötzlich nichtig sein und Sara ohne Rücksicht auf ihre Gefühle einen fremden König heiraten sollte. Er schlug die Königsfamilien mit Plagen und offenbarte den Königen in Träumen ihre Schuld, die sie – ohne es zu wissen – begangen hatten. Darauf gaben die Könige Abraham Sara zurück. Sie verzichteten darauf, Abraham zu bestrafen, sondern behandelten ihn respektvoll. Der eine gab Abraham sogar eine grosse Summe Silbergeld und sagte dabei zu Sara: Vor allen erfährst du Genugtuung.
Ein König anerkennt, dass auch eine Frau Anrecht auf Genugtuung hat – das war da mals revolutionär. Darum machte diese auf den ersten Blick unschöne Geschichte den damaligen Frauen Mut. Wenn sie einander und ihren Töchtern erzählten, wie Gott sich dafür einsetzte, dass Saras Person, ihre Ehe und ihre Gefühle geschützt wurden, spürten sie, dass Glaube nicht nur Männersache ist, sondern dass Gott auf ihrer Seite steht.
Sara starb vor Abraham. Er hielt die Totenklage für sie und kaufte im heutigen Hebron ein Grundstück, um sie zu bestatten. So führte der Tod seiner Frau Sara dazu, dass Abraham seinen ersten Bodenbesitz im Land Kanaan erwarb. Als Abraham auch starb, wurde er neben ihr begraben. Die Grabstätte wird noch heute von Juden und Muslimen gleichermassen verehrt. Im Jahre 1994 verübte ein jüdischer Siedler einen Anschlag auf sie, durch den zahlreiche Palästinenser getötet wurden.

GISELA TSCHUDIN,
GEMEINDELEITERIN ST. MARTIN ZĂśRICH

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