Wallfahrten in Madhu und Mariastein
Viel hat sich geändert seit 1988, als erstmals ein aus Deutschland angereister Priester tamilische Eucharistiefeiern zelebrierte. Inzwischen ist in der 1996 in Zürich gegründeten Mission mit Pfarrer Peter Manohar der dritte Tamilenseelsorger im Amt. Das Gemeindegebiet ist gross, 41’000 Quadratkilometer, die Eidgenossenschaft. Entsprechend dicht reiht sich in der Pfarragenda Termin an Termin: Gottesdienste in der ganzen Schweiz, daneben Katechese, Hochzeiten und Taufen, Krankenbesuche, Seelsorgewochenende, Wallfahrten und die Redaktion des tamilischen Pfarrblattes. Verständlich, dass da wenig Zeit bleibt zum Erlernen der deutschen Sprache. „Zu wenig Zeit bleibt leider auch für die persönliche Begegnung mit meinen Landsleuten, die mit ihren Problemen zu mir kommen“, erklärt Peter Manohar auf Englisch. Obwohl sehr gut in der Schweizer Bevölkerung integriert, seien doch viele Eltern mit den kulturellen Unterschieden überfordert. Herrschten in Sri Lanka klare Regeln, biete die Schweiz grosse Freiheit. Mit diesen Verschiedenheiten umzugehen, sei nicht selten eine Gratwanderung für alle Generationen.
STRUKTUR UND ORGANISATION
Die Tamilenseelsorge mit nur einem Priester abzudecken, ist nur möglich dank einer ausgezeichneten Organisation und dem Einsatz engagierter Laien. In den meisten Kantonen existieren eigene Seelsorgevereine, die je zwei Delegierte ins Zentralkomitee schicken. Dort erhalten diese die entsprechende Ausbildung in Theologie und Sozialarbeit, um Religionsunterricht zu erteilen und die Familien im Alltag zu unterstützen. Auch Feste und Wallfahrten werden vom Zentralkomitee organisiert. Zwei Marienwallfahrten stehen im Zentrum: am ersten Samstag im August nach Mariastein, zur Erinnerung an „Unsere Liebe Frau von Madhu“, dem einzigen grossen Marienwallfahrtsort in Sri Lanka. Pilger aus dem In- und Ausland nehmen daran teil, neben Katholiken auch Hindus und Buddhisten. Die Wallfahrt Anfang August sei das wichtigste Ereignis im Kirchenjahr, erklärt Thiruchelvam Johnson, Kassier des Zentralkomitees. Ein ebenso religiöser wie sozialer Anlass. Bedeutungsvoll ist auch die Wallfahrt nach Einsiedeln am Samstag vor dem Palmsonntag. Dazu werde jeweils mit Bewilligung des Züricher Weihbischofs ein speziell ausgebildeter Priester aus Indien eingeflogen, bestätigt Eronipulle Vincent de Paul, Sekretär des Komitees. Lokale Wallfahrtsfeiern werden unter anderem auch in Maria-Lourdes in Zürich-Seebach, zum Antoniusfest in Basel oder dem Josefsfest in Bern veranstaltet.
So wichtig den Tamilen in der Schweiz die Gemeinschaft untereinander ist, so wichtig ist ihnen auch das Eingebettetsein in der lokalen Pfarrgemeinde. Ortspfarrei und Mission ergänzen sich: „In der Schweizer Pfarrei feiere ich Eucharistie“, sagt Santhiyapillai Gabrielpillai, „in der Mission finde ich Heimat.“ „Und einen Ort, mit der tamilischen Kultur in Kontakt zu kommen, vor allem für die Jugendlichen, die Sri Lanka nur als Touristenort kennen“, fügt Pfarrer Manohar an.
PIA STADLER
KATH. TAMILENSEELSORGE
Seelsorger:
Pfarrer Peter Monahar Motham Paul, Ämtlerstrasse 43, 8003 Zürich. Tel. 044 461 56 43, Mail:mpeter2@hotmail.ch, www.jesu tamil.ch
Gottesdienste in Zürich: 1. und 3. Sonntag im Monat, 11.00 Uhr, Herz-Jesu Wiedikon.