Keine Massenabfertigung
forum: Monika Schmid, gibt es in Ihrer Pfarrei ein Gesamtkonzept für die Sakramentenpastoral?
Monika Schmid: Ein grosses Anliegen von Jakob Romer war es, die Sakramente wieder aufzuwerten. Er pflegte jeweils das Bibelwort zu zitieren, man solle Perlen nicht vor die Säue werfen. Am deutlichsten wird das in unserer Pfarrei bei der Firmung. Zur Vorbereitung gibt es verschiedene Angebote für Oberstufenschüler, aber kein obligatorisch zu absolvierendes Programm. Nach der dritten Oberstufe werden nicht einfach alle Jugendlichen eines Jahrgangs gefirmt, sondern in Gesprächen gibt es individuelle Standortbestimmungen. Den eigentlichen Firmkurs besucht nur, wer bereit ist, sich ernsthaft aufs Thema einzulassen. Bei der Taufe ist das anders. Am Anfang, wenn die Kinder klein sind, versuchen wir, möglichst alle zu erreichen, denn alle sollen die Möglichkeit haben, den Weg des Glaubens kennen zu lernen. Je älter die Kinder dann werden, desto mehr Eigenverantwortung trauen wir ihnen zu.
Was bedeutet das für die Erstkommunion?
Erstkommunion wird bei uns nicht an einem einzigen Sonntag im Jahr gefeiert, sondern den Kindern und ihren Familien stehen zwischen Ostern und Pfingsten vier Sonntage zur Auswahl. Die Feier findet im Rahmen eines normalen Familiengottesdienstes statt. Die Erstkommunikanten tragen ein weisses Kleid, es gibt schöne Musik, die Kinder und ihre Familien werden speziell begrüsst, ansonsten sind sie aber einfach in den Gemeindegottesdienst integriert.
Warum machen Sie keine spezielle Erstkommunionfeier im traditionellen Sinn?
Die Idee im Hintergrund ist die: Wir machen aus diesem Sonntag kein Tamtam, es geht nicht um etwas aus dem Kirchenalltag Herausgehobenes, sondern die ganze Gottesdienstgemeinschaft feiert mit den Kindern deren erste Kommunion und begleitet sie auf dem weiteren Weg. Nicht irgendein Spektakel soll im Zentrum stehen, sondern das, worum es eigentlich geht: die sonntägliche Eucharistiefeier.
Und das Busssakrament?
Bei uns gibt es keine Erstbeichte im klassischen Sinn, sondern die Kinder gehen zusammen mit einer Begleitperson, die sie wählen können, auf einen Versöhnungsweg. Das ist eine Art Parcours, wo an verschiedenen Posten Anregungen gegeben werden, sich mit dem Thema Schuld und Versöhnung auseinander zu setzen. Nach diesem Besinnungsweg feiern alle zusammen einen Versöhnungsgottesdienst mit anschliessendem festlichem Apéro.
Also keine Beichtgespräche mehr?
Das Modell Versöhnungsweg hat Jakob Romer eingeführt, da es ihm die für Kinder angemessenere Form schien. Es war ihm nie ganz wohl bei den Kinderbeichten, obwohl er hervorragend auf die Kinder eingehen konnte. Er hatte das Gefühl, wie er sagte, er würde die Kinder zu etwas zwingen, was ihnen noch nicht entspreche. Sein Vorschlag war, die Möglichkeit zu Einzelbeichten in späteren Schuljahren zu thematisieren.
Was bedeuten Ihnen persönlich die Sakramente?
Für mich sind die Sakramente ganz spezielle Punkte im Lebensrhythmus, an denen deutlich wird, dass Gott Himmel und Erde zusammenführen möchte. Diese Durchlässigkeit spüre ich natürlich nicht nur in sakramentalen Feiern, aber da wird sie wohl besonders bewusst. Zu erfahren, dass der Himmel geerdet ist und die Erde in den Himmel ragt, das ist für mich Sakrament.
INTERVIEW: JUDITH HARDEGGER