Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2005 forum Nr. 20, 2005 Der tragische Fall eines Mächtigen
Menschen der Bibel: zum Beispiel Saul

Der tragische Fall eines Mächtigen

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Saul war der erste König Israels. Er regierte kurz vor dem Jahr 1000 v. Chr. Seine Geschichte nimmt 22 Kapitel im ersten Samuelbuch ein. Wie in anderen antiken Heldenepen geht es um Kampf, Sieg, Niederlage und das Verschachern der Töchter. Interessant sind die spezifisch biblischen Zwischentöne.

Lange Zeit waren die Israeliten mit lokalen Führungspersonen, mit „Richtern“ für die einzelnen Stämme ausgekommen, doch mit den Machtansprüchen des ganzen Volkes wuchs auch der Wunsch nach einem König. Vergeblich warnte der Prophet Samuel: Gott ist der König Israels; Könige missbrauchen ihre Macht. Schliesslich salbte er den jungen Saul, den Schönsten der Israeliten, zum König. Dies unter vier Augen, lange vor der öffentlichen „Wahl“ Sauls durch das Los. Zuerst ging die Rechnung auf. Saul errang einige Siege, so auch gegen das Volk der Amalekiter im Südwesten Israels.
Damals gab es für Israel ein schreckliches Gebot: Wenn Gott seinem Volk zu einem Sieg verholfen hatte, waren alle Menschen und Tiere des feindlichen Volkes „dem Untergang geweiht“ und mussten getötet werden. Dieses uns abstossende Gebot wurde vermutlich erlassen, um Eroberungskriege zu verhindern. Das unterlegene Volk und sein Vieh gehörten Gott und wurden getötet, damit sie nicht in den Besitz der Sieger kamen. Gegen dieses Gebot verstiess Saul nach dem Sieg über die Amalekiter. Den König und dessen Tiere liess er am Leben, um sie selber zu besitzen. Nur das Minderwertige weihte er dem Untergang.
Da reute es Gott, dass er Saul zum König über Israel gemacht hatte, und er gab dem Propheten Samuel den Auftrag, wiederum im Geheimen David zum neuen König zu salben. Saul aber wurde depressiv: „Der Geist des Herrn war von Saul gewichen; jetzt quälte ihn ein böser Geist, der vom Herrn kam.“ Seine Untergebenen empfahlen ihm das damalige Heilmittel dagegen – Musik. So kam David, der Zither spielte, an den Hof Sauls.
Sein Spiel tat dem König gut. Am Anfang liebte Saul David, und noch mehr – „wie sein eigenes Leben“ – liebte ihn Sauls Sohn Jonatan. Weil David militärische Erfolge hatte und weil Gott so offensichtlich mit ihm war, erwachte jedoch Sauls Eifersucht. Er gab ihm seine Tochter Michal zur Frau, um ihn auf einem Umweg in die Hände der feindlichen Philister fallen zu lassen. Er verlangte als Brautpreis die Vorhäute von hundert Philistern und ging davon aus, dass die Philister David töten würden. David tötete jedoch zweihundert Philister.
In den letzten Jahren seiner Herrschaft schwankte Saul zwischen Versuchen, David zu töten, und der Reue darüber. In seiner Not suchte er sogar die Totenbeschwörerin von En-Dor auf, die ihm den Geist des Propheten Samuel heraufbeschwor. Dieser erinnerte ihn an sein Versagen und sagte ihm den Tod voraus. In der folgenden Schlacht töteten die Philister Sauls Söhne und verletzten ihn selber schwer. Um ihnen nicht in die Hände zu fallen, stürzte er sich in sein Schwert. Fazit: Weltliche Macht kann nur Segen bringen, wenn sie aus der Demut vor Gott lebt.

GISELA TSCHUDIN GEMEINDELEITERIN ST. MARTIN, ZÜRICH 

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