Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2005 forum Nr. 17, 2005 Das Gleiche tun, aber anders
Menschen der Bibel: zum Beispiel Marta

Das Gleiche tun, aber anders

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„Marta, Marta, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig.“ Wer kennt sie nicht, diese Antwort Jesu auf Martas Bitte, er möge doch die untätig zu seinen Füssen sitzende Maria zum Mithelfen motivieren. Für viele haben diese Worte einen schmerzhaften Klang. Zu sehr erkennen sie in der Person von Marta ihre eigenen Sorgen und Mühen des Alltags, ihre Unrast und ihren Aktivismus. Zu sehr leiden sie an ihrer Unfähigkeit, wie Maria einfach nur dazusitzen und zuzuhören. Hat Maria aber wirklich das Bessere gewählt? Wie könnte ich es bestreiten, wo doch Jesus selber ihr das bestätigt. Und dennoch, sollen wir nun alles hinwerfen und uns nur noch der Betrachtung Gottes hingeben?
Die Lösung dieses Problems liegt wohl weniger in der Frage, was wir tun, sondern wie und warum wir es tun. Warum strengen wir uns an, rackern wir uns ab und opfern wir uns auf in unserem Leben? Tun wir es wirklich um eines anderen willen, vielleicht gar um des Anderen willen, oder tun wir es um unserer selbst willen? Tun wir es, weil wir selber lieben oder um uns die Aufmerksamkeit, die Anerkennung, die Liebe der anderen zu verdienen und zu sichern? Ist es nicht vor allem Letzteres, was uns wie Marta immer wieder eifersüchtig auf die anderen schielen lässt, die sich offenbar nicht solche Mühe geben und doch geliebt werden?
Das Wenige, das uns die Bibel von Marta erzählt, zeigt uns vielleicht einen Weg aus dieser Schwierigkeit. Da ist das Gastmahl beim Evangelisten Lukas, wo sich die oben beschriebene Szene abspielt. Wir begegnen einer Marta, die sich viel Mühe und Sorgen macht, um Jesus zu gefallen. Ein Bemühen, das von diesem aber frustriert wird. Ein zweites Mal, diesmal beim Evangelisten Johannes, treffen wir Marta nach dem Tod ihres Bruders Lazarus. Trauernd eilt sie Jesus entgegen und trotz ihres leisen Vorwurfes drückt sie ihm ihr Vertauen aus. Jesus konfrontiert sie mit dem Unfassbaren: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt … Glaubst du das?“ Marta erwidert: „Ja, Herr, ich glaube“, obwohl ihre Antwort vermuten lässt, dass sie die wahre Bedeutung von Jesu Worten noch nicht ganz erfasst hat. Trotz ihrer Sehnsucht, zu glauben und zu hoffen, spricht aus ihren Worten noch der Zweifel: „Aber Herr, er riecht schon.“
Kurze Zeit nach der Auferweckung des Lazarus begegnen wir Marta ein drittes und letztes Mal beim Gastmahl in Betanien. Wieder ist Marta am Bedienen und wieder fällt ihre Schwester Maria durch seltsames Verhalten auf. Aber diesmal bleibt der Konflikt zwischen den beiden aus. Erfüllt von der lebendigmachenden Begegnung mit Jesus können beide das tun, was ihnen zutiefst entspricht. Maria opfert teures Nardenöl, um Jesus die Füsse zu salben und ihm so ihre Liebe auszudrücken. Und Marta bedient. Nicht wie zuvor eifersüchtig auf die Liebe Jesu bedacht, sondern frei, aus der Erfahrung heraus, vor aller Leistung geliebt zu sein. Marta dient nicht mehr, um geliebt zu werden, sondern weil sie sich geliebt weiss.

BEAT ALTENBACH

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