Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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GLOSSE

SOS Narrenschiff

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Mit Kolumne bezeichnet man eine Zeitungsspalte. Aus zuverlÀssiger Quelle wurde mir zugetragen, dass sich einer unserer Bischöfe mit dieser Kurzform nicht anfreunden kann. In so wenigen SÀtzen könne man nichts Gescheites sagen, lautet sein Verdikt. Mit dieser Ansicht wird er bei vielen Mitbischöfen und -theologen auf Zustimmung stossen.
Das betrĂŒbt selbstverstĂ€ndlich meine Kolumnisten- Seele, und so wende ich mich zwecks Tröstung an höhere Stelle, an Jesus selbst. Und siehe, da steht geschrieben: „Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter“ dauert 1584 Zeichen (0,6 fSp). (Die Umrechnung in fSp dient der Veranschaulichung. Die AbkĂŒrzung steht fĂŒr die international anerkannte Masseinheit „forum-Spalte“.) „Der verlorene Sohn“ fesselt mich epische 2715 Zeichen oder genau 1 fSp lang. Die „Bergpredigt“ bei Lukas umfasst schon 4070 Zeichen (1,6 fSp) und in der Langversion von MatthĂ€us sogar 12‘831 Zeichen (4,9 fSp). Damit wĂŒrde es Jesus im forum immerhin auf drei Seiten bringen – samt reisserischem Titel, verfĂŒhrerischem Vorspann und anschaulichen Bildern.
Soll mich diese Rechnerei am Ende zur Erkenntnis fĂŒhren, dass Jesus Christus zeitlebens nie etwas Gescheites gesagt hat? Ist die ganze theologische Literatur nichts weiter als ein verzweifelter Versuch, oberflĂ€chliches Kurzfutter doch noch auf Brauchbarkeit zu strecken?
Vollends dramatisch ist das Ergebnis beim „Vater unser“: Selbst in der verlĂ€ngerten Form bringt es unser Grundgebet auf ganze 370 Zeichen oder mickrige 0,14 fSp. Ich glaube immer dem am bereitwilligsten, der mich bestĂ€tigt. Also halte ich mich an Jesus und sein Beispiel. Dem kolumnophoben Bischof und manch anderen grossen Theologen jedoch muss ich immerhin Bescheidenheit attestieren. Denn wie heisst es doch bei MatthĂ€us 7,28 im Anschluss an die Kurzpredigt auf dem Berge: „Als Jesus diese Rede beendet hatte, war die Menge sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“
Eintrag ins Logbuch: Wer sich kurz fasst, lÀuft Gefahr, gehört und verstanden zu werden.

THOMAS BINOTTO

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Das „Narrenschiff“, 1494 von Sebastian Brant verfasst, ist eine spĂ€tmittelalterliche Satire, in der durch bewusste Übertreibung der Zeitgeist karikiert wird.