Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2005 forum Nr. 12, 2005 Liebe Leserin, Lieber Leser
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Liebe Leserin, Lieber Leser

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Eine Bekannte hat ihr Auto verkauft und ist dabei, in eine kleinere Wohnung umzuziehen. Über Jahre hinweg hatte sie sich immer konsequenter von Besitztümern getrennt, die sie nicht mehr brauchte oder die jemand anderem mehr Freude und Nutzen bringen konnten: Bücher fanden den Weg ins Antiquariat, Kleider erreichten bedürftige Familien, Haushaltgeräte landeten im Brockenhaus. Einzig das Silberbesteck ihrer Mutter durfte, obwohl nicht benötigt, bleiben. Des ideellen Wertes wegen. Inzwischen hat, was einst ein Haus füllte, in einer Zwei-Zimmer-Wohnung Platz. Selten habe ich Sybille so unbeschwert erlebt. „Es geht mir wie Sokrates“, meinte sie. „Ich gehe über den Marktplatz und sehe lauter Dinge, derer ich nicht bedarf.“ Vorbei die Zeit, als Haben ein erstrebenswertes Ziel zu sein schien. Wie viel mehr Energie bleibt da für das Sein.
Auch der übrige Lebensstil hat sich gewandelt: Grosseinkäufe im Supermarkt sind selten geworden. Zur liebgewonnenen Gewohnheit hingegen gehört der Gang zum Bioladen. Qualität und umweltgerechter Anbau, der auch die Energiebilanz berücksichtigt, sind entscheidend. Ob Spargeln aus Kalifornien eingeflogen werden oder von der Schweiz in die Gemüseabteilung gelangen, mag für den Gaumen eine unwesentliche Rolle spielen. Vom Energieverbrauch her ist der Unterschied beträchtlich. Die Energiebilanz ist auch markant anders, ob man für Ferien ans andere Ende der Welt fliegt oder sich mit dem Velo in der Umgebung erholt. Statt Badeferien in der Karibik bucht Sybille nun Wanderferien im Tessin: „Was für meine Umwelt gut ist, ist auch für mich gut.“ Nicht um Verzicht um des Verzichtes willen geht es, sondern um die Überzeugung, dass ein einfacher Lebensstil mehr Lebensqualität bringt. Und umweltverträglicher ist. Umweltverantwortung müsse als wichtiger christlicher Wert anerkannt werden, fordert das Europäische Christliche Umweltnetzwerk (ECEN). Verantwortung wahrnehmen beginnt beim Einzelnen. 

PIA STADLER

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