Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zuerich

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Sie sind hier: Startseite Archiv 2005 forum Nr. 10, 2005 Liebe Leserin, Lieber Leser
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Weisser Rauch am Himmel über dem Petersplatz – habemus papam. Josef Ratzinger, verkündete der Vatikan. Die (katholische) Welt hierzulande brach mehr in Betroffenheit und Besorgnis als in Begeisterung aus. Die Wahl Ratzingers, eines der brillantesten Intellektuellen, den die katholische Kirche im 20. Jahrhundert hervorgebracht hat, ist für liberale und progressive Katholiken eine Enttäuschung. Papst Benedikt XVI. gilt vielen zwar als scharfsinniger, souveräner Denker und Theoretiker, aber auch als konservativer römischer Zentralist, der mehr Selbstständigkeit der Ortskirchen verhindert, sich gegen Priesterinnen und die Befreiungstheologie ausspricht, Homosexualität verurteilt, den Wirkungsradius der Laien in der Kirche und die Intensivierung der Ökumene einschränkt. Habemus papam Josef Ratzinger. Die Vorbehalte beruhen auf der Annahme, dass vom „Zuchtmeister“ der katholischen Kirche, ihrem Cheftheologen und obersten Glaubenswächter, wohl kaum einschneidende Kehrtwendungen zu erwarten seien. Doch es gab einst auch den jungen Konzilstheologen Josef Ratzinger, der während des 2. Vatikanums kurienkritische Reden schrieb und als engagierter Reformer galt. Das war, zugegeben, vor rund 40 Jahren. In der Zwischenzeit haben zuletzt 24 Jahre als Leiter der Glaubenskongregation aus Josef Ratzinger einen Hüter der „reinen Lehre“ gemacht.
Zu hoffen ist, dass sich der Heilige Geist, der an der Papstwahl mitwirkte, an Pfingsten erneut über die katholische Kirche ausgiessen wird, damit Josef Ratzinger als Papst Benedikt XVI. die Herausforderung als Pontifex Maximus annimmt und zum grössten Brückenbauer wird – zu den Ländern des Südens und der neuen Welt, zur Kirchenbasis, zu den Frauen, zu anderen Konfessionen und Religionen. Bei Gott sei kein Ding unmöglich, heisst es. Aber auch: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ 

PIA STADLER

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